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A-2.1 Kanalreinigung
Im vorliegenden Kapitel wird das Thema Kanalreinigung ausschließlich im Zusammenhang mit der optischen Inspektion und nicht als Bestandteil der Wartung behandelt.
Bei allen Maßnahmen zur Kanalreinigung werden vorhandene nicht verfestigte Sedimentationen zunächst gelöst und zu einem Übergabepunkt (z. B. Schachtbauwerk) transportiert, dort aufgenommen und ggf. entwässert und entsorgt. Bei der Kanalreinigung anfallende Rückstände bestehen aus
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mineralischen Bestandteilen (z. B. Sand, Steine),
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organischen Bestandteilen (z. B. Nahrungsmittelreste, Papier) und
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sonstigen Stoffen (z. B. Dosen, Scherben).
Nichtbindige, gleichkörnige Sedimentationen, die ausschließlich aus mineralischen Bestandteilen bestehen, lassen sich i. A. leicht lösen und aus dem Netz entfernen. Auch rein organische Sedimentationen sind leicht lösbar, da ihnen aufgrund der fehlenden Kornfraktion die Stabilität fehlt.
Im Bedarfsfall kann eine Entfernung der Sielhaut erforderlich sein. Die Leistung sollte ausdrücklich gefordert werden. Die Entfernung der Sielhaut erfolgt in einem zweiten Reinigungsdurchgang mit Hilfe einer Spezialdüse (z. B. Rotationsdüse).
Schwer lösbare Sedimentationen und Hindernisse werden entweder bereits als feste Massen in das Kanalnetz eingetragen oder entstehen durch Verfestigungsprozesse im Kanalnetz durch die Verbindung von organischen und mineralischen Bestandteilen. Das Anhaften an der Rohrwandung kann dann zu Inkrustationen führen. Wurzeln, die durch Muffen, undichte Hausanschlussstutzen oder schadhafte Rohrabschnitte in die Kanalisation eindringen, fangen genauso wie einragende Bauteile oder sonstige Hindernisse im Abwasser enthaltene Feststoffe auf und führen schließlich zu Verstopfungen. In ständig oder zeitweise vollgefüllten Leitungen oder Haltungen können sich auch Ablagerungen im Scheitelbereich wie beispielsweise Verzopfungen oder Fettablagerungen bilden.
Kanalreinigungsrückstände sind überwachungsbedürftige Abfälle (Abfallschlüssel-Nr. 20 03 06) und müssen nach Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz behandelt und nach Möglichkeit einer Verwertung zugeführt werden.
Bisher existieren keine allgemeingültigen Richtlinien für die Durchführung von Kanalreinigungen. Hinweise zu Reinigungsintervallen sind dem Anh. A-10.1 zu entnehmen. Weitere Hinweise enthält [DIN EN 14654-1] sowie das DWA-Regelwerk zur Ermittlung des Betriebsaufwandes und der Betriebskosten, bestehend aus Arbeitsblatt [DWA-A 147] und Merkblatt [DWA-M 174].
Vor Beginn der Kanalreinigung sind Informationen zum baulichen Zustand der zu reinigenden Haltungen einzuholen, um bei vorgeschädigten Kanälen eine Schadensausweitung bis hin zum Einsturz des Kanals zu verhindern.
Während der Kanalreinigung muss der anfallende Abfall (Reinigungsrückstände) ständig kontrolliert werden, um auf Anzeichen für stärkere Schäden am Kanal (z. B. Bruchstücke des Kanals oder größere Mengen Bodenmaterial) rechtzeitig reagieren zu können.
Hochdruckspülverfahren
Das Hochdruckspülverfahren wird in 90 % aller Fälle für die Reinigung als vorbereitende Maßnahme einer Kanalinspektion oder Sanierung sowie zur Beseitigung von Ablagerungen im Rahmen einer regelmäßigen Wartung eingesetzt [STEIN, D., 1999]. Hierauf wird im Anh. A-2.1.1 näher eingegangen.
Schwallspülung/Stauspülung
Spülverfahren wie die Schwallspülung oder Stauspülung kommen für kleine Durchmesser kaum in Betracht. Sie sind zudem nur zur Entfernung loser, nicht verfestigter Sedimentationen einsetzbar und werden daher eher für die Reinhaltung von Kanälen größer DN 500 eingesetzt. Beide Verfahren setzen einen freien Abwasserfluss und eine hohe Fließgeschwindigkeit des Abwassers voraus.
Mechanische Reinigung
Im Zusammenhang mit der Reinigung sind auch alle mechanischen Verfahren zur Hindernisbeseitigung zu nennen. Eine manuelle Reinigung ist nur in begehbaren Kanälen möglich (z. B. wie mit einem Spülschild). Für die nicht begehbaren Kanäle werden für die Beseitigung verfestigter Ablagerungen Spezialreinigungsgeräte eingesetzt. Bei einragenden Leitungen oder künstlichen Hindernissen und Wurzeln kommen Spezialgeräte (z. B. Bohr- bzw. Fräsgeräte, Schneid- und Sandstrahlgeräte) zum Einsatz.
Chemische / biologische Reinigungsverfahren
Chemische Verfahren, z. B. bei Inkrustationen und Wurzeleinwuchs, oder biologische Reinigungsverfahren, z. B. zur Lösung von Fetten und Faserstoffen sowie zur Beseitigung bzw. Reduzierung von Geruchsbelästigungen, sind einer besonderen Anwendung und Entscheidung im Einzelfall vorbehalten und bedürfen eines Nachweises der Umweltverträglichkeit.
Sonstige Reinigungsverfahren
In besonderen Fällen können zur Reinigung auch spezielle Reinigungsverfahren wie z. B. das Ultraschallverfahren, die Vibrationsdüse oder Verfahren zur Erhöhung der Fließgeschwindigkeit durch Zugabe von Luft oder Polymeren in das Abwasser eingesetzt werden.