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A-5.4 Verzögerte Ableitung
Die zeitgemäße Regenwasserbewirtschaftung zeichnet sich dadurch aus, dass alle Möglichkeiten genutzt werden, auch in einem bebauten Bereich die Entwässerung der Regenabflüsse so zu regeln, dass der Wasserhaushalt des bebauten Gebietes dem des natürlichen unbebauten möglichst nahe kommt [ATV Arbeitsbericht der AG 1.2.6, 1999]. Sofern wirkungsvolle dezentrale Maßnahmen wie z. B. die Muldenversickerung nicht realisiert werden können und somit auf zentrale Konzepte (durchaus auch in Form von Versickerungsbecken) zurückgegriffen werden muss, sollte geprüft werden, ob nicht anstelle des üblichen unterirdischen kanalisierten Ableitungssystems ein oberirdisches Ableitungssystem in Betracht kommt. I. d. R. wird es sich hierbei um offene Rinnen oder Gräben handeln, die wegen ihrer großen Rauheit eine deutliche Abflussverzögerung bewirken können. Weisen solche Gräben darüber hinaus abschnittsweise auch noch ein sehr geringes Gefälle auf - die hydraulischen Anforderungen müssen allerdings erfüllt bleiben -, entsteht innerhalb des Entwässerungsgebietes durch die Gräben ein signifikanter Speicherraum, der durch seine Retentionswirkung zu einer deutlichen Abflussverzögerung beiträgt. Ggf. lassen sich auch offene Wasserflächen wie Teiche, Fleete oder temporäre Flutmulden und Feuchtbiotope in das oberirdische Ableitungssystem einbinden und als Retentionsräume nutzen.
Mulden-Rinnen-System
Sämann [Sämann, U., 1993] berichtet über ein Mulden-Rinnen-System, bei dem der seltene Überlauf aus dezentralen Versickerungsmulden (Häufigkeit n < 0,2/a) in offenen Rinnen abgeführt werden kann, so dass sich insgesamt für das Entwässerungssystem sogar eine sichere Ableitung für ein hundertjähriges Niederschlagsereignis ergibt.
Regenrückhaltebecken
Die klassische Art einer Abflussverzögerung erreicht man durch Regenrückhaltebecken, die selbstverständlich nach wie vor ihre Berechtigung haben. Die Bemessung für Regenrückhalteräume ist im DWA-Arbeitsblatt A 117 geregelt. [DWA-A 117]. Zur Ermittlung des erforderlichen Regenrückhaltevolumens stehen grundsätzlich zwei Verfahren zur Verfügung:
1.
Bemessung des Rückhalteraums mittels statistischer Niederschlagsdaten und dem einfachen Verfahren
2.
Nachweis der Leistungsfähigkeit des Regenrückhalteraums mittels Niederschlag-Abfluss-Langzeitsimulation
Das einfache Verfahren kommt nach DWA-A 117 nur für Einzugsgebiete mit einer Fläche von weniger als 200 ha oder bei Fließzeiten bis 15 min in Betracht. Die Anwendung des einfachen Verfahrens zur Dimensionierung hintereinander geschalteter Regenrückhalteräume ist unzulässig.