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A-5.1.5 Umsetzung der Verfahrensvorgabe
Die Intensität der im Anhang A-5.1.4 aufgeführten Grundlagenermittlung richtet sich nach der Zielsetzung von beabsichtigten Untersuchungen oder erforderlichen Planungsphasen. Nachfolgende Hinweise gelten für die Ersteinschätzung, die Konzeptentwicklung und die Verträglichkeitsuntersuchung gemäß Verfahrensvorgabe (vgl. Anh. A-5.1.3).
Ersteinschätzung
Bei einer Ersteinschätzung sind anhand der spezifischen Gegebenheiten in der Liegenschaft grundsätzliche Aussagen zu der Möglichkeit und den Grenzen einer Regenwasserversickerung herzuleiten.
Tab. A-5 - 2 Kriterien zur Ersteinschätzung
Kriterium
Anforderung/Quelle
erforderliche Aussagen im Rahmen der Ersteinschätzung
Aufgabe, Veranlassung
 
z.B.
- Regenwasserbehandlung
- Neubaumaßnahme
- Sanierungsmaßnahme
Hydraulische Leitfähigkeit
Abschätzung anhand von Bodenansprache ist i.d.R. für die Ersteinschätzung ausreichend; Bodenkarten; Baugrunduntersuchungen
Anforderungen an erforderliche Versickerungsanlage
- ohne Speicherung
- mit Speicherung
- mit Speicherung und Ableitung
Grundwasserstände
maximale/mittlere Flurabstände; Ortskenntnisse, Planunterlagen
Hinweise auf kritische Bereiche
Grundwasserschutzzonen
Dokumentation;
Wasser- und Umweltbehörden
räumliche Zuordnung
Sonstige Schutzgebiete
Dokumentation, Wasser- und Umweltbehörden
Ausschluss oder Berücksichtigung
Vorflut
Dokumentation, Lageplan
ggf. Einleitungsmöglichkeit; Leistungsfähigkeit
Altlasten
Dokumentation, Nutzungen
Ausgrenzung für Versickerung
Topographie
Höhenplan, Grundkarte
kritische Bereiche feststellen
Gebietsnutzung
Typisierung von gleichartigen Nutzungsbereichen (Dach, Hof, Straße); Lageplan
Freiflächenverfügbarkeit; Abkopplungspotenzial
Erlaubnisantrag
Besprechung mit der zuständigen Wasserbehörde
Genehmigungspraxis und besondere Anforderungen an Versickerungsanlagen
(Art, Berechnungsmethoden)
Die Grenzen der Regenwasserversickerung werden durch das nachfolgende Bild aufgezeigt.
Abb. A-5 - 2 Grenzen der Regenwasserversickerung
Konzeptentwicklung
Die Konzeptentwicklung ist Bestandteil der Vorplanung im Sinne des Liegenschaftsbezogenen Abwasserentsorgungskonzepts (LAK) (vgl. Kap. 3.1). Für eine Konzeptentwicklung ist somit auf Erkenntnisse der Zustandserfassung und –bewertung gemäß LAK aufzubauen. Eine weitergehende Datenerfassung ist i. d. R. nicht erforderlich. Auf der Grundlage der vorhandenen Informationen ist das Entwässerungskonzept und ggf. –system zu entwickeln und darzulegen. Gegenüber einer Ersteinschätzung ist nunmehr eine Lösung der Aufgabe zu entwickeln und deren Machbarkeit nachzuweisen. Dies bedeutet, dass die qualitativen und quantitativen Voraussetzungen für die Regenwasserversickerung erfüllt und das entwickelte Konzept umsetzbar sein muss. Bei der Kostenschätzung ist das entwickelte Konzept zu berücksichtigen.
Sofern im Hinblick auf die Voraussetzungen und Randbedingungen keine klaren Aussagen gemacht werden können, ist die Datenbasis so zu verbessern, dass dies möglich ist. Beispielsweise ist eine dezentrale Muldenversickerung nur möglich, wenn gilt: kf5 ·10-6 m/s. Eine abschließende und verlässliche Festlegung der Durchlässigkeit ist jedoch nicht nur anhand der Bodenart möglich. Deshalb wäre in einem solchen Fall eine zusätzliche Datenerhebung (z.B. Versickerungsversuche) erforderlich.
Für eine Konzeptentwicklung kann es entscheidend sein, nach welchen Bemessungsansätzen die konzipierten Maßnahmen zu dimensionieren sind. Vor diesem Hintergrund sind auch hydrologisch-hydraulische Aspekte frühzeitig mit den Planungsbeteiligten, insbesondere den Aufsichtsbehörden, abzustimmen.
Verträglichkeitsuntersuchung
Im DWA-Merkblatt M 153 "Handlungsempfehlung zum Umgang mit Regenwasser" (August 2007) wird auch die Regenwasserversickerung berücksichtigt. Für die spezifischen Gegebenheiten auf Bundeswehrliegenschaften sind die Tabellen und Festlegungen innerhalb des Schemas entsprechend angepasst worden.
Das Schema der Handlungsempfehlung im o .g. Merkblatt stellt den Emissionswert E eines Entwässerungsgebietes einer zugrunde gelegten Gewässerbelastbarkeit G (gem. DWA-Merkblatt M 153: Gewässerpunktezahl G) gegenüber:
Emissionswert E Gewässerbelastbarkeit G
Der Emissionswert von abflussliefernden Flächen ergibt sich aus der Verschmutzung des Abflusses (Abflussbelastung B) und dem verbleibenden Anteil der Verschmutzung nach einer Regenwasserbehandlung (Durchgangswert D):
Emissionswert E = Abflussbelastung B · Durchgangswert D
Die Abflussbelastung ihrerseits berücksichtigt die unterschiedliche Herkunft der zu versickernden Abflüsse und wichtet die Verschmutzung über die Flächenanteile fi:
B = Σ fi (Li + Fi)
Für die Gewässerbelastbarkeit G, die Durchgangswerte bei Versickerungsanlagen D, die Einflüsse aus der Luft L und die Flächenbelastung F sind den nachfolgenden Tabellen Bewertungspunkte zu entnehmen.
Gewässerbelastbarkeit G
Punkte
Grundwasser außerhalb von Trinkwassergewinnungsgebieten
10
Karstgebiete ohne Verbindung zu Trinkwassergewinnungsgebieten
8
Wasserschutzzone III B
≤81
Wasserschutzzone III A
≤5(1)
Wasserschutzzone II oder Karstgebiete
≤3(1)
Wasserschutzzone I
0
Einzelfallregelung erforderlich
Einfluss aus der Luft L
Punkte
Abgelegenes Depot
1
Liegenschaften im ländlichen Bereich
2
Liegenschaften im städtischen Bereich, im Nahbereich von
Gewerbe- und Industriegebieten mit Abluft- und Staubemission
4
Liegenschaften im Nahbereich von Gewerbe und Industrie mit
besonders starken Emissionen
8
Flächenbelastung F
Punkte
Gründächer
5
Dachflächen (außer metallgedeckte Dächer)
8
Rad- und Gehwege
12
Hofflächen, Exerzier- und Antreteplätze ohne starke
Verschmutzung
12
Parkplätze im Unterkunftsbereich
19
Parkplätze und Verkehrsflächen für Kleinfahrzeuge im
techn. Bereich
27
Hofflächen, Exerzier- und Antreteplätze mit erhöhter
Verschmutzung
27
Metallgedeckte Dächer
35
Lkw- und Panzerstellplätze
45
Lkw- und Panzerzufahrten im technischen Bereich
45
Lagerplätze im Werkstattbereich;
nicht überdachte Waschplätze für Fahrzeuge;
nicht überdachte Tankstellen
45
Durchgangswerte D
Flächenbelastung
Au : As
Eigenschaften der Versickerungsanlagen
a
b
c
d
Versickerung durch 30 cm bewachsenen Boden
0,10
0,20
0,45
Versickerung durch 20 cm bewachsenen Boden
0,20
0,35
0,60
Versickerung durch 10 cm bewachsenen Boden
0,45
0,60
0,80
Bodenpassage unter Mulden, Rigolen, Schächten o.ä. durch
flächenhaft durchgehende Deckschichten von mindestens
*
3 m Mächtigkeit bei einer Durchlässigkeit kf von 10-4 bis
10-6 m/s (Feinsand, schluffiger Sand, sandiger Schluff)
*
5 m Mächtigkeit bei einer Durchlässigkeit kf von 10-3 bis
10-4 m/s (sandiger Kies, Grobsand, Mittelsand)
 
 
0,35
 
 
0,45
 
 
0,60
 
 
0,80
 
Flächenversickerung über durchlässige Beläge auf einem
mindestens 30 cm dicken frostsicheren Oberbau wie z.B.
*
Pflaster mit nicht bewachsenen, durchlässigen Fugen
*
poröse Deckbeläge (z.B. Dränbetonsteine)
*
mit Brechsand gefüllte Gittersteine oder -waben
0,80
1,00
Flächenversickerung ohne Berücksichtigung weiterer
Bodenpassagen durch
*
geringere Deckschichten als oben genannt
*
Rigolen, Versickerungsschächte, Schotterpackungen o.ä.
1,00
bewachsener Oberboden dieser Mächtigkeit ist ohne unzulässig hohe Sandbeimischungen für die hydraulische Belastung nicht ausreichend durchlässig
Erläuterungen zur Flächenbelastung Au : As
(Verhältnis der angeschlossenen undurchlässigen Flächen Au zur Sickerfläche As)
a: 5 in der Regel breitflächige Versickerung
b: > 5 bis 15 in der Regel dezentrale Flächen- und Muldenversickerung
c: > 15 bis 50 in der Regel zentrale Mulden- und Beckenversickerung
d: > 50 in der Regel dezentrale und zentrale Schachtversickerung
Beispiel: Verträglichkeitsuntersuchung
Im Zuge des Neubaus einer Kantine sollen die Niederschlagsabflüsse versickert werden. Anhand der durchgeführten Ersteinschätzung und Konzeptentwicklung ist eine semizentrale Muldenversickerung vorgesehen und möglich (Annahme: Au : As < 15). Die Mulde wird mit einer 20 cm starken bewachsenen Oberbodenauflage hergestellt. Bei den angeschlossenen Flächen handelt es sich um 300 m2 Dachfläche (Ziegeleindeckung), einen Fußwegbereich von 150 m2 und eine Pkw-Stellfläche von ebenfalls 150 m2, insgesamt somit 600 m2. Die Liegenschaft befindet sich in ländlicher Umgebung außerhalb einer Wasserschutzzone.
Punkteermittlung anhand der Tabellen:
Gewässerbelastbarkeit
 
G = 10
Einfluss aus der Luft
 
L = 2
Flächenbelastung
Dach
F = 8
Gehweg
F = 12
Parkplatz
F = 19
Durchgangswert (für Au : As < 15)
 
D = 0,35
Berechnung:
Abflussbelastung B = Σ fi (Li + Fi)
 
Dach
300/600 · (2 + 8)
= 5
 
 
Gehweg
150/600 · (2 + 12)
= 3,5
 
 
Parkplatz
150/600 · (2 + 19)
= 5,25
B = 13,75
Emissionswert E = B · D E = 13,75 · 0,35 = 4,81
Mit E = 4,81 < G = 10 ist die Verträglichkeit der konzipierten Lösung mit den Anforderungen an den Gewässerschutz nachgewiesen.
Unter den gegebenen Umständen würde auch dann noch eine ausreichende Verträglichkeit gegeben sein, wenn die Oberbodenauflage in der Mulde nur eine Dicke von 10 cm (statt 20 cm) aufweist (D = 0,6; E = 13,75 · 0,6 = 8,25 < G = 10).
Allerdings sollten die Abflüsse vom Parkplatz separat in einer Mulde versickert werden. Hierfür wäre eine 10 cm starke bewachsene Oberbodenauflage nicht mehr ausreichend:
(B = 2 + 19 = 21; D = 0,6; E = 21 · 0,6 = 12,6 > G = 10).