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A-5.1.6 Hinweise zum Bau und Betrieb von Versickerungsanlagen
Beim Bau von Versickerungsanlagen sind neben Materialwahl und -eigenschaften, Bauabläufen, örtlichen Verhältnissen, den spezifischen technischen Merkmalen der verschiedenen Anlagen usw. i.d.R. weitere Kriterien zu berücksichtigen. Diese können sich aus der Jahreszeit der Umsetzung, der Inbetriebnahme usw. ergeben. Vor diesem Hintergrund sind die Hinweise nur beispielhaft und nicht vollständig.
Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Wasserdurchlässigkeit des Untergrundes sind im Zusammenhang mit dem Bau von Versickerungsanlagen besondere Schutzmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Versickerungsfähigkeit des Untergrundes und der Betriebssicherheit der Anlage erforderlich.
Nicht nur vor dem Bau einer Versickerungsanlage sondern auch während der Bauausführung ist darauf zu achten, dass der Untergrund im Versickerungsbereich nicht durch dynamische Belastungen oder schwere Auflasten (Überfahrungen oder Nutzung als Lagerfläche) verdichtet wird.
Werden neue Gebäude errichtet, deren Dachabflüsse versickert werden sollen, so sind die oberirdischen Versickerungsanlagen möglichst frühzeitig herzustellen, ohne sie gleich mit Niederschlagsabflüssen zu beaufschlagen. Damit wird der Bepflanzung und Begrünung genügend Zeit für ein ungestörtes Anwachsen gegeben.
Um zu verhindern, dass die i. a. stark schlammigen Baustellenabflüsse in die Anlage gelangen und die Versickerungsoberfläche kolmatieren, ist eine anderweitige Bauzeitentwässerung vorzusehen.
Alle in den Sickerraum einzubauenden Materialien dürfen durch Auswaschungen und Auslaugung keine nachteiligen Veränderungen des Sicker- und Grundwassers hervorrufen. Es ist darauf zu achten, dass es zu keinem unzulässigen Einbau von Fremdmaterialien (Bauschutt, Abfall) kommt. Durch das Füllmaterial darf kein Stauhorizont entstehen.
Bei Mulden-Rigolen-Elementen muss für eine ausreichende Wasserdurchlässigkeit der Bodenschicht zwischen Mulde und Rigole gesorgt werden. Durch Sandbeimengungen kann anstehender gering durchlässiger Boden dazu aufbereitet werden. Eine Durchlässigkeit von kf = 1 · 10-5 m/s kann dann erreicht werden, wenn der Schluff- und Tonanteil < 10%, die Ungleichförmigkeit U < 3 und der Gehalt an organischer Substanz 1 bis 3% beträgt. Weitere Hinweise enthält die DIN 18035-4 (Sportplätze - Rasenflächen).
Die Begrünung erfolgt i.d.R. durch eine Rasenansaat. Eine sofort wirkende Erosionssicherung kann durch das Aufbringen von Fertigrasen (Rollrasen) erreicht werden. Zu beachten ist, dass ein Fertigrasen, der auf einem lehmigen Oberboden gezogen wurde, nur eine eingeschränkte Wasserdurchlässigkeit aufweisen kann.
Bei Versickerungsmulden bestehen keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Bepflanzung der Muldenfläche mit Bodendeckern oder Hochstauden. Sofern sich unter der Mulde allerdings eine Rigole befindet, kommen nur flachwurzelnde Pflanzen hierfür in Frage. Bäume sollten mindestens einen Abstand aufweisen, der der Hälfte des möglichen Kronendurchmessers entspricht.
Eine vollständige Ummantelung eines Rigolenkörpers mit einem geotextilen Filter ist nicht ratsam. Durch Fein- und Feinstanteile im Füllmaterial für die Rigole kann es an der Sohle der Rigole zu einer Selbstdichtung kommen. Deshalb ist die Rigole nur oben und seitlich durch ein Geotextil abzudecken, um eine ausreichende Filterstabilität gegenüber dem anstehenden Bodenmaterial herzustellen. Der geotextile Filter sollte die Robustheitsklasse 3 oder 4 aufweisen.
Bei der Verwendung von Hohlkörperelementen aus Kunststoff hingegen, ist eine vollständige Ummantelung mit Filtervlies incl. der Sohle vorzusehen.
Bei Mulden-Rigolen-Elementen ist zwischen der Mulde und der Rigole eine Sandschicht von mindestens 10 cm Mächtigkeit vorzusehen. Dadurch wird vor allem einer Selbstdichtung des Geotextils über der Rigole vorgebeugt.
Werden beim Bau von Versickerungsanlagen Verhältnisse angetroffen, die den Grundsätzen der Versickerung, insbesondere dem Schutz des Grundwassers, entgegenstehen (z. B. Tonlinsen, Altlasten), darf die geplante Anlage nicht gebaut werden und es muss entweder ein neuer Standort vorgesehen oder eine angepasste technische Lösung entwickelt werden.
Der Betrieb einer Versickerungsanlage nach der Fertigstellung erfordert regelmäßige Funktions- und Zustandskontrollen, Wartungs- und Unterhaltungsarbeiten. Der Umfang der betrieblichen Maßnahmen ist abhängig von der Art der Versickerungsanlage. Die Angaben in Tab. A-5 - 3 stellen eine Orientierung für Maßnahmen und Wartungsintervalle dar.
Tab. A-5 - 3 Betriebliche Maßnahmen für Versickerungsanlagen
Anlage
Maßnahme
Intervalle
Bemerkungen
für alle Versickerungsanlagen
bei Baumaßnahmen im Einzugsgebiet
Verringerung von Selbstdichtung
 
Vorschalten einer Vorreinigung
 
 
Inbetriebnahme erst nach Befestigung/ Begrünung des Einzugsgebietes, Vorläufige Entwässerung über provisorische Mulde
befestigte Versickerungsfläche
Entfernen von Laub und Störstoffen
im Herbst und bei Bedarf
keine Hochdruckreiniger, keine saugenden Reiniger
Mahd, ggf. Entfernen von Bewuchs
 
Verbot wassergefährdender Stoffe/Herbizide
unbefestigte Versickerungsfläche
Mahd
in Abhängigkeit von Nutzung und Bewuchs, mindestens jährlich
Mähgut entfernen
Entfernen von Laub und Störstoffen
mindestens jährlich
 
Gärtnerische Pflege
bei Bedarf
Verbot wassergefährdender Stoffe/Herbizide
Wiederherstellen der Durchlässigkeit
bei Bedarf
Vertikutieren
Entfernen von Wulstbildung (Zulaufbereich)
bei Bedarf
 
Mulde
Mahd
bei Bedarf; mindestens jährlich
Mähgut entfernen
Entfernen von Laub und Störstoffen
im Herbst und bei Bedarf
 
Wiederherstellen der Durchlässigkeit
bei Bedarf
Vertikutieren, Schälen, Boden austauschen
Verhindern von Auskolkung
beim Bau und bei Bedarf
Steinschüttung, Pflasterung, widerstandsfähige Vegetation im Zulaufbereich
Rigole
Entfernen von Bewuchs
bei Bedarf
Verbot wassergefährdender Stoffe
Rohrrigole
Inspektion der Kontrollschächte
halbjährlich
ggf. Entfernen von Laub und Ablagerungen
Inspektion der Rohrstranganfänge
halbjährlich
ggf. Hochdruckspülung der Sickerrohre nach Herstellerangaben
Vermeidung von Durchwurzelung
bei nachträglicher Bepflanzung
Flachwurzler, Kronendurchmesser Mindestabstand
Schächte
Inspektion
halbjährlich
ggf. Störstoffe entfernen, Dokumentation der höchsten Wasserstände
Wiederherstellen der Durchlässigkeit
bei Bedarf
Austausch der Filterschicht
Becken
Inspektion
halbjährlich und ggf. nach Starkregen/Unfällen
Sicht- und Funktionsprüfung, ggf. Entfernen von Störstoffen
Trockenbecken
Mahd
mindestens jährlich
Mähgut entfernen
Beproben von Ablagerungen
alle 10 Jahre und nach Unfällen
auf Schadstoffe in Abhängigkeit von Flächennutzung untersuchen
Entfernen von Ablagerungen
bei Bedarf
wenn Versickerungsleistung zu gering
gärtnerische Pflege
 
kein Einsatz von wassergefährdenden Stoffen/Herbiziden
Mäuse-/Maulwurfsschäden beseitigen
bei Bedarf