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A-2.1.1 Hochdruckspülverfahren
Bei dem Hochdruckspülverfahren (HD-Verfahren) wird Spülwasser mit hohem Druck in einen Schlauch gepumpt, an dessen Ende sich ein Spülkopf befindet. Dieser Spülkopf enthält Düseneinsätze, die so gerichtet sind, dass durch die mit hoher Geschwindigkeit austretenden Wasserstrahlen zum einen die Reinigung der Rohrwandung erfolgt und zum anderen eine Reaktionskraft entsteht, die Spülkopf und Schlauch vom Startschacht aus - entgegen dem Haltungsgefälle - zum Zielschacht befördert. Von dort wird der Spülschlauch in Fließrichtung langsam zurückgezogen. Die austretenden Wasserstrahlen erhöhen dabei die Fließgeschindigkeit des Abwassers, lösen Ablagerungen, wirbeln diese auf und transportieren sie zum Startschacht. Dort werden die Reinigungsrückstände abgesaugt. In A-2.1 ist der Arbeitsablauf beim HD-Verfahren dargestellt.
 
Abb. A-2 - 1 Arbeitsablauf beim Hochdruckspülverfahren [STEIN, D., 1999]
 
Fahrzeuge
Die gesamte bei der Hochdruckreinigung eingesetzte Gerätetechnik ist in einem Fahrzeug untergebracht. Man unterscheidet folgende Aufbauarten [STEIN, D., 1999]:
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Hochdruck-Spülfahrzeug
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Saugfahrzeug mit und ohne Wasserabscheidung
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kombiniertes Hochdruck-Spül- und Saugfahrzeug mit und ohne Wasserrückgewinnung.
Es sollten ausschließlich kombinierte Hochdruck-Spül- und Saugfahrzeuge mit Wasserrückgewinnung eingesetzt werden. Dadurch wird die Anzahl der Reinigungsunterbrechungen zur Wasseraufnahme reduziert, der Wasserverbrauch minimiert und die effektive Reinigungszeit erheblich vergrößert. Das erforderliche Wasser sollte nur dann dem Trinkwasserleitungsnetz entnommen werden, sofern nicht auf andere, kostengünstigere Quellen zurückgegriffen werden kann. Ein direkter Anschluss an den Hydranten ist gemäß DIN 1988 unzulässig [DIN 1988]. Die Wasserentnahme aus Gewässern bedarf einer gesonderten Genehmigung/Erlaubnis.
Reinigungsdüsen
Für unterschiedliche Verschmutzungen und Kanalquerschnittsformen stehen verschiedene Reinigungsdüsen zur Verfügung. Ggf. sind Versuche durchzuführen, mit welcher Düse die optimale Reinigungsleistung erreicht wird. Man unterscheidet:
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Radialdüsen (Wasseraustritt radial auf den Düsenumfang verteilt, bis ca. DN 600)
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Sohlendüsen (Wasseraustritt in Richtung Rohrsohle, ab ca. DN 500)
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Rotationsdüsen (Wasseraustritt radial, Düse drehbar gelagert, alle Nennweiten)
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Düsen zur Beseitigung von Verstopfungen (Wasserstrahlen nach hinten und vorne gerichtet)
Der Strahlwinkel der Düsen, gemessen zwischen Wasserstrahl und Rohrachse, hat entscheidenden Einfluss auf die Reinigungs- und Vortriebsleistung. Bei einem großen Strahlwinkel von z. B. 30° ist die Reinigungsleistung hoch aber die Vortriebsleistung gering. Bei einem kleinen Strahlwinkel von z. B. 15° ist die Reinigungsleistung niedrig aber die Vortriebsleistung größer.
Spülwasser
Für Rohrdurchmesser von DN 300 bis DN 800 werden etwa 320 l/min Spülwasser benötigt. Bei Rohrdurchmessern bis DN 250 sind es maximal 240 l/min.
Reinigungsleistung
Die mit dem HD-Verfahren (maximal) erreichbare Reinigungsleistung ist stark von den ortsspezifischen Randbedingungen abhängig. Als grober Richtwert kann für eine mittlere Reinigungsleistung bei Fahrzeugen mit Wasseraufbereitung und geringem Personaleinsatz (2 Personen) im Rahmen der periodischen Unterhaltungsreinigung bis DN 300 und einem Verschmutzungsgrad bis max. 15 % von etwa 1000 m pro Tag ausgegangen werden.
Schäden
Beim Einsatz des HD-Verfahrens können Rohrschäden in Form von Riefen, Abplatzungen, Rissen oder Löchern in Rohrwandungen und Rohrauskleidungen auftreten. Aussagekräftige systematische Untersuchungen hierzu liegen bislang noch nicht vor. Solange keine allgemeingültigen Richtlinien und Kriterien für die Prüfung von Rohren bezüglich ihres Verhaltens gegenüber dem HD-Verfahren existieren, ist die Anwendung dieses Verfahrens stets kritisch zu überwachen.