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A-6.3.2.1 Vor Ort härtendes Schlauchlining
 
Verfahren
a) Allgemeine Verfahrensbeschreibung
Die Vor-Ort-härtenden-Schlauchlining-Verfahren (CIPP-Verfahren: cured in place pipes) stellen heute das Standard-Renovierungsverfahren dar. Schlauchlining-Verfahren können wie folgt gruppiert werden:
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Inversionsverfahren (Synthesefaserfilz als Trägermaterial; Härtung mit Warmwasser oder Dampf)
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Einzugsverfahren (Glasfasergelege oder Synthesefaserfilz als Trägermaterial; Härtung mit UV-Licht, Dampf oder Warmwasser)
Beim Schlauchlining-Verfahren werden i. d. R. werkseitig hergestellte vorkonfektionierte und mit Kunstharz getränkte Gewebeschläuche in das Altrohr eingezogen (Einzugverfahren) oder eingestülpt (Inversionsverfahren). Im Kanal werden die Liner mit Luft- oder Wasserdruck gegen die Altrohrwand aufgestellt und gegen die Rohrwand gepresst und dann ausgehärtet. Die Aushärtung erfolgt unter Wärmeeinfluss (Heißwasser oder Dampf) oder unter Lichteinfluss (UV-Bestrahlung).
Die Linerwanddicke richtet sich nach den statischen Erfordernissen. Der Wandaufbau der Schlauchliner ist systemabhängig und i. d. R. dreischichtig:
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Außenfolie/-beschichtung;
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Trägermaterial mit Harz getränkt (ggf. mehrlagig);
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Innenfolie/-beschichtung.
Die Trägermaterialien bestehen entweder aus Synthesefaserfilz oder Textilglasgelegen (korrosionsbeständig).
Bei den Kunstharzen handelt es sich um ungesättigtes Polyesterharz (UP-Harz), Vinylesterharz (VE-Harz) oder Epoxidharz (EP-Harz).
Die Folien-/Beschichtungen bestehen i. d. R. aus PE-HD, PP, PA, PVC-U, PU oder entsprechenden Kombinationen.
Insbesondere bei den Inversionsverfahren werden die Außenfolien erst vor Ort, vor Einbau des Liners, in das Altrohr eingebaut (Preliner).
Liner mit Synthesefaserfilzen werden im Vergleich zu Linern mit Glasfasergelegen i. d. R. mit größeren Wanddicken ausgeführt, um die statischen Anforderungen erfüllen zu können.
Nach Fertigstellung (Aushärtung) des Liners werden die seitlichen Zuläufe vom Hauptkanal aus geöffnet und wasserdicht an den Liner angebunden.
b) Beispiele für zugehörige Verfahren und Varianten
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Insituform, Wärmehärtung (RAL-GZ: S27.01);
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KM INLINER (RAL-GZ: S27.02);
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Schlauchlining mit Lichthärtung (RAL-GZ: S27.09);
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RS CityLiner (RAL-GZ: S27.16);
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Saertex-Liner (RAL-GZ: S27.17);
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Brandenburger Liner (RAL-GZ: S27.18);
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iMPREG Multiliner (RAL-GZ: S27.20);
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Alphaliner (RAL-GZ: S27.32).
Anwendungsbereich
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Freispiegelkanäle und Druckleitungen (systemabhängig);
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Einsetzbar für alle Profilarten (systemabhängig) und Rohrwerkstoffe;
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DN 800 bis < DN 2400 (systemabhängig);
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Bei Altrohrzustand I und II nach [ATV-M 127-2], nur bedingt in Altrohrzustand III;
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Wiederherstellung der statischen Tragfähigkeit i. d. R. möglich.
UV-Lichthärtung:
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Bis 300 m (Abhängig vom Linergewicht und der örtlichen Trassensituation).
Warmwasserhärtung:
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Bis 600 m (Abhängig vom Linergewicht und der örtlichen Trassensituation);
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Inversionsverfahren: bei Grundwasserinfiltration ist i. d. R. keine Vorabdichtung erforderlich, da der Gegendruck (Wassersäule) das eindringende Wasser beim Einstülpvorgang aus dem Altrohr verdrängt.
Dampfhärtung:
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Bis 120 m Rohrlänge (Inversionsverfahren und Einzugsverfahren).
Technische Anforderungen und Randbedingungen
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Die unterschiedlichen Linersysteme müssen hinsichtlich Wandaufbau, Materialien und Härtungssystematik optimal auf einander abgestimmt sein (Eignungsnachweis erforderlich).
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Verwendung einer Außenfolie, um einen Kontakt mit dem in den Gewebeschläuchen enthaltenen Kunstharz zu verhindern;
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Inversionsverfahren: in Abhängigkeit der Schachtsituation ist ab DN 700 die Abnahme des Konus und ab DN 900 eine Baugrube erforderlich;
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UV- und Dampfhärtung: bei Grundwasserinfiltration (druckabhängig) sind i. d. R. vorabdichtende Maßnahmen erforderlich;
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Zulaufanbindungen generell von innen möglich.
Vorteile
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Keine Rohrverbindungen;
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Geringe Querschnittsreduzierung;
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Sehr flexibel einsetzbar;
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Im Vergleich zu anderen Renovierungsverfahren kostengünstiger;
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UV-Lichthärtung: schneller Sanierungsfortschritt bei 3 bis 4 Personen.
Nachteile
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Faltenbildung insbesondere bei Krümmungen, Abwinkelungen und starken Versätzen möglich;
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Fehleranfällig hinsichtlich der geforderten Dichtheit und Materialkennwerte, wenn Qualitätssicherungsvorgaben bei Herstellung (werkseitig und vor Ort), Installation und/oder Aushärtung nicht konsequent eingehalten werden;
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Dampfhärtung: Kondenswasserbildung in Unterbogenbereichen mit der Gefahr einer unzureichenden Aushärtung (Maßnahmen zur Kondenswasserableitung erforderlich).
Rechtliche und ökologische Anforderungen
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Abfälle, insbesondere Trägermaterialien und Harzreste sind ordnungsgemäß zu entsorgen.
Bauzeit
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Vorlaufzeit für Linerherstellung und -konfektionierung: ca. 3 bis 6 Wochen vor Einbautermin;
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Systemabhängig, ein bis zwei Linerinstallationen pro Arbeitstag möglich; bei großen Nennweiten und Streckenlängen deutlich längere Zeitverläufe möglich.
Zusätzliche technische Vertragsbedingungen zur Qualitätssicherung
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VSB-Empfehlung Nr. 5 "Schlauchlining in Haltungen" (vgl. Anh. A-6.1.2).
Leistungsbeschreibung
Vorarbeiten
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Kalibrierung zur Ermittlung des Rohrquerschnittes und Ermittlung der Haltungslänge
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Hindernisse beseitigen
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Reinigung
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Einmessen der Hausanschlüsse
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Vorflutsicherung im Hauptkanal und in Seitenzuläufen während des gesamten Einbau- und Härtungsvorganges.
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Rückbau von Schachteinstiegsbereichen bzw. Herstellung von Baugruben zur Linerinstallation
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Einbau Preliner als Außenfolie (sofern nicht mit dem Liner verbunden)
Hauptposition
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Linereinbau und Aushärtung (Positionskriterien: Nennweite, Länge, statische Erfordernisse, ggf. Härtungsverfahren)
Nacharbeiten
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Zulaufanbindung (i. d. R. von innen)
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Ggf. Schachtwiederherstellung
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Schachtanbindung und Ringspaltverschluss
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Dichtheitsprüfung
Bauüberwachung
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Sämtliche qualitätsrelevanten Arbeitsschritte (z. B. gemäß ZTV oder Verfahrenshandbuch RAL-GZ für S27-Verfahren) müssen kontinuierlich überprüft werden;
Aufgrund der hohen Fehleranfälligkeit sind insbesondere folgende Arbeitsschritte und Kontrollen erforderlich:
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Kontrolle der Materiallieferung (Kenndaten aller Komponenten: Preliner, Liner im Gesamtaufbau und Bauhilfsstoffe);
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Vor Linereinbau zu überprüfen: Kanäle müssen stets hindernisfrei sein;
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Funktion der Vorflutsicherungseinrichtungen im Haupt- und Anschlussrohr;
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Gemeinsame Festlegung der Probenahmestelle und ggf. Vorbereitung der Probenahme;
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Überwachung Installationsprozess bis Härtungsbeginn;
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Daten zum Härtungsprozess (Zeitverläufe, Geschwindigkeiten, Temperaturen etc.);
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Überwachung Probeentnahme und Übernahme Probestück zur Weiterleitung an Prüfinstitut (AG);
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Zur Prüfung auf Abnahmefähigkeit (Solleigenschaften) ist grundsätzlich eine Materialprobe je Linerinstallation bzw. -härtung erforderlich. Die Repräsentativität der Materialprobe (ideal aus dem Bereich des zu sanierenden Altrohrs und ggf. aus Zwischenschächten) ist hierbei von besonderer Bedeutung. Die Beprobung sollte direkt vom Auftraggeber veranlasst werden.
Qualitätsnachweise
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
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Gemäß DIBt-Zulassung, ZTV bzw. Verfahrenshandbuch z. B. nach RAL-GZ 961 für S27-Verfahren, Materialprüfungen nach ZTV Materialprüfung Schlauchliner (Herausgeber: Arbeitsgruppe süddeutscher Kommunen, Rohrleitungssanierungsverband RSV e.V., Hamburger Stadtentwässerung).
Für das Sanierungssystem
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Gemäß DIBt-Zulassung, ZTV bzw. Verfahrenshandbuch z. B. nach RAL-GZ 961 für S27-Verfahren.
Für die Arbeitsabläufe
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Gemäß ZTV-Vorgaben bzw. Verfahrenshandbuch nach z. B. RAL-GZ 961 für S27-Verfahren.