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A-6.4.1.1 Injektionsverfahren mit Gel
 
Verfahren
a) Allgemeine Verfahrensbeschreibung
Beim Injektionsverfahren mit Gel werden starre Packersysteme unter Kamerabeobachtung durch Seilwinden oder Roboter an den abzudichtenden Stellen positioniert und das Gel über den Packerraum in die Undichtigkeiten und das umgebende Erdreich injiziert. Dort erstarrt das Material und erzeugt einen Dichtmantel außerhalb des Rohres.
Als Injektionsmaterialien werden Gele auf der Basis von Acrylharz und Polyurethan verwendet. Diese Materialien sind bei fehlender Umgebungsfeuchte nicht volumenstabil, so dass die Gefahr der Bildung einer erneuten Undichtigkeit besteht. Daher werden Injektionsverfahren mit Gel heutzutage i. d. R. nur noch zur temporären Abdichtung bei sichtbaren Undichtigkeiten (In-/Exfiltration) als vorbereitende Maßnahme für die eigentliche Sanierungsmaßnahme oder zu Abdichtungszwecken bei anstehendem Grundwasser eingesetzt.
b) Beispiele für zugehörige Verfahren und Varianten
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Posatryn-Verfahren (RAL-GZ: S01.03);
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Seal-I-Tryn-Verfahren (RAL-GZ: S01.04).
Anwendungsbereich
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Bei sichtbaren Undichtigkeiten (In-/Exfiltration durch Rohrverbindungen, örtlich begrenzte Strukturschäden, ggf. Querrisse), keine stabilisierende Wirkung;
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Zur temporären Abdichtung als vorbereitende Maßnahme für ein ausgewähltes Sanierungsverfahren wie z. B. vor Ort härtende Kurzliner (Reparatur) oder Schlauchlining (Renovierung);
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Zur Abdichtung bei anstehendem Grundwasser. Starke Grundwasserströmung kann zu Abschwemmung des Injektionsmaterials führen;
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Ab DN 100;
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Für alle Rohrwerkstoffe (außer Mauerwerk).
Technische Anforderungen und Randbedingungen
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Längerfristige Wirkung der Gel-Abdichtung nur in permanent nassen oder grundwasserdurchströmten Bodenbereichen möglich;
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Statische Tragfähigkeit der Altrohre muss gesichert sein;
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Druckdichter Abschluss des Packerprüfraums;
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Abzudichtender Leitungsabschnitt ist auf die Länge des Injektionsraums begrenzt;
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Keine Vorflutsicherung für Trockenwetterabfluss erforderlich, da Packersysteme i. d. R. als Durchflusspacker konzipiert sind.
Ein druckdichter Abschluss des Packerprüfraums kann beeinträchtigt werden durch
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unmittelbar angrenzende Abzweige oder Schachtwände,
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starke deformierte und instabile Altrohrsubstanz,
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Ablagerungen oder Inkrustationen an der Rohrinnenwand,
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Oberflächenschaden durch Korrosion oder mechanische Beschädigung,
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poröse Rohrwerkstoffe,
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starke Unebenheiten der Rohrinnenwand und
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Risse und Rohrbrüche inner- und außerhalb des Dichtbereichs des Packers.
Vorteile
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Hohe Leistung bei geringem Personal- und Geräteaufwand (bis zu 100 Dichtheitsprüfungen und 60 Injektionen von Muffen am Tag);
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Kostengünstig
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Sanierungserfolg durch Dichtheitsprüfung sofort kontrollierbar;
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Bei Wurzeleinwuchs wachstumshemmendes Abdichtungsmittel einsetzbar;
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Bei Trockenwetterabfluss i. d. R. keine Vorflutsicherung erforderlich.
Nachteile
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Gel nur in ständig feuchten Bereichen einsetzbar (Volumenschrumpfung bei Trockenheit);
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Kein Einsatz bei Temperaturen 0 °C;
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Problematisch z. B. bei starken Grundwasserströmungen und gleichzeitig großen Undichtigkeiten oder starker Verschmutzungen im Bereich der Undichtigkeiten;
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Keine Behebung der Schadensursache, z. B. von Bettungsdefiziten;
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Nicht anwendbar, wenn kein druckdichter Abschluss des Packerprüfraums möglich (vgl. "Technische Anforderungen und Randbedingungen").
Rechtliche und ökologische Anforderungen
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Zwangsvermischung der Einzelkomponenten des Dichtmittels vor Injektionsaustritt;
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Nachweis der hygienetechnischen Unbedenklichkeit mittels Säulenversuch (einschließlich Reaktionsphase);
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Ordnungsgemäße Entsorgung von Materialresten der Einzelkomponenten;
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In Wasserschutzgebieten kann gemäß Vorgaben der zuständigen Behörde die Einholung einer wasserrechtlichen Erlaubnis erforderlich sein.
Bauzeit
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In Abhängigkeit der Nennweite können am Tag 60 bis 80 Rohrverbindungen abgedichtet werden. Bei häufigem Umsetzen insbesondere im Grundstücksbereich deutlich weniger.
Zusätzliche technische Vertragsbedingungen zur Qualitätssicherung
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VSB-Empfehlung Nr. 4 "Injektion mit Isocyanatharzen" (vgl. Anh. A-6.1.3). Grundsätzlich lassen sich die notwendigen Vorgaben für Injektionsverfahren mit Gel daraus ableiten.
Leistungsbeschreibung
Vorarbeiten
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Hindernisse beseitigen
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Reinigung
Hauptposition
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Dichtheitsprüfung
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Abdichtung von z. B. Rohrverbindungen
Nacharbeiten
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Beseitigung überschüssigen Injektionsmaterials von Rohroberfläche bzw. aus Leitung.
Bauüberwachung
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Sämtliche qualitätsrelevanten Arbeitsschritte (z. B. gemäß ZTV oder Verfahrenshandbuch RAL-GZ für S01-Verfahren) müssen kontinuierlich überprüft werden.
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Im Falle der Vergütung des Injektionsmaterials auf Nachweisbasis (i. d. R. nur bei Harz-Injektion) ist der Materialverbrauch zu überwachen.
Qualitätsnachweise
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
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Gemäß DIBt-Zulassung, ZTV bzw. Verfahrenshandbuch nach RAL-GZ 961 für S01.03 oder S01.04 oder Verfahren.
Für das Sanierungssystem
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Gemäß DIBt-Zulassung, ZTV bzw. Verfahrenshandbuch nach RAL-GZ 961 für S01.03 oder S01.04-Verfahren.
Für die Arbeitsabläufe
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Gemäß ZTV-Vorgaben bzw. Verfahrenshandbuch nach RAL-GZ 961 für S01.03 oder S01.04-Verfahren.