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A-1.1 Ordnungssystem


Die Objekte eines Abwassersystems sind eindeutig zu bezeichnen.

A-1.1.1 Bezeichnungsschema für Schächte, Bauwerke und Anschlusspunkte

Schächte

Die Bezeichnung von Schächten setzt sich wie folgt zusammen:

1 = Regenwassersystem

2 = Schmutzwassersystem

3 = Mischwassersystem

4 = Sondersystem (Fließgewässer)

 
Abb. A-1 - 1 Beispiel für den Aufbau einer Schachtbezeichnung

Die Bezeichnung der Schächte erfolgt grundsätzlich fortlaufend in Entwässerungsrichtung. Bei besonderen projektspezifischen Randbedingungen oder einem bestehenden Ordnungsschema mit ISYBAU-Bezeichnung kann von diesem Grundsatz abgewichen werden.

Wenn davon ausgegangen werden kann, dass die vorhandenen Bestandsunterlagen bzw. Bestandsdaten nicht mehr aktuell sind, sollte die Vergabe der laufenden Nummer der Schächte in Fünferschritten oder sogar in Zehnerschritten erfolgen. Somit besteht die Möglichkeit, z.B. erst bei der optischen Inspektion erkannte verdeckte Schächte nachträglich einfach in das Ordnungssystem einzupassen.

Bauwerke

Die Bezeichnung der Bauwerke setzt sich wie folgt zusammen:

1 = Regenwassersystem

2 = Schmutzwassersystem

3 = Mischwassersystem

4 = Sondersystem (Fließgewässer)

 
Tab. A-1 - 1 Kürzel der Bauwerktypen
Kürzel
Bauwerktyp
Bauwerkgruppe
PW
Pumpwerk

RUEB
Regenüberlaufbecken
Becken
RKB
Regenklärbecken
Becken
RRB
Regenrückhaltebecken
Becken
RRSB
Regenrückstaubecken
Becken
RRG
Regenrückhaltegraben
Becken
RBF
Retentionsbodenfilter
Becken
MRF
Mechanischer Retentionsfilter
Becken
KBA
Kombianlage
Behandlungsanlagen
B
Benzin-/Ölabscheider
Behandlungsanlagen
K
Koaleszenzabscheider
Behandlungsanlagen
F
Fettabscheider
Behandlungsanlagen
S
Stärkeabscheider
Behandlungsanlagen
ESP
Emulsionsspaltanlage
Behandlungsanlagen
SF
Schlammfang
Behandlungsanlagen
SB
Stapelbecken
Behandlungsanlagen
NA
Neutralisationsanlage
Behandlungsanlagen
DIV
sonstige Anlagenteile
Behandlungsanlagen
KLA
Kläranlage

AUS
Auslaufbauwerk

PU
Pumpe

WE
Wehr
Wehre und Überläufe
RUE
Regenüberlauf
Wehre und Überläufe
UE
sonstiger Überlauf
Wehre und Überläufe
DR
Drossel

SCH
Schieber

REC
Rechen

SIE
Sieb

VA
Versickerungsanlage

ZIS
Zisterne

 
Abb. A-1 - 2 Beispiel für den Aufbau einer Bauwerksbezeichnung

Anschlusspunkte

Anschlusspunkte sind grundsätzlich als Zulaufknoten (Von-Punkt) oder Ablaufknoten (Bis-Punkt) von Haltungen, Leitungen, Rinnen und Gerinnen definierbar. Einschränkungen sind den Bemerkungen in Tab. A-1 - 2 zu entnehmen.  
Tab. A-1 - 2 Zulässige Punktkennungen für Anschlusspunkte
Punkt-kennung
Bedeutung
Bemerkung
AP
Anschlusspunkt
Punkt, an dem eine Haltung, oder Leitung mit einer anderen Haltung oder Leitung zusammengefügt ist (Stutzen) oder über ein vorgefertigtes Formteil (Abzweig) verbunden ist (Bis-Punkt).
ER
Zu-/Ablauf Entwässerungsrinne
Punkt, an dem das aufgenomme Abwasser dem Entwässerungssystem zugeführt wird (Von-Punkt einer Leitung).
Punkt, der den Anfang (Von-Punkt) oder das Ende (Bis-Punkt) einer Rinne definiert.
GA
Gebäudeanschluss
Punkt, an dem eine Leitung aus einem Gebäude austritt (Von-Punkt).
RR
Regenfallrohr
Punkt, an dem Niederschlagswasser aus einer innen oder außenliegenden lotrechten Leitung dem Entwässerungssystem zugeführt wird (Von-Punkt einer Leitung).
SE
Straßenablauf
Punkt, an dem Oberflächenwasser dem Entwässerungssystem zugeführt wird (Von-Punkt einer Leitung).
NN
nicht bekannt, weiterer Verlauf unbekannt
Punkt, an dem eine Leitung endet und der weitere Verlauf nicht bekannt ist (Von-Punkt).
AV
Zu-/Ablauf Versickerungs-/ Regenwassernutzungsanlage
Punkt, an dem Niederschlagswasser einer Versickerungs- oder Regenwassernutzungsanlage zugeführt wird (Zulauf), oder diese zur Ableitung in eine andere abwassertechnische Anlage verlässt (Ablauf).
RV
Rohrende verschlossen
Punkt, an dem eine Leitung z.B. durch Deckel oder Stopfen verschlossen wurde und der weitere Verlauf unbekannt ist (Von-Punkt einer Leitung).
EG
Entwässerungspunkt im Gebäude
Hilfspunkt innerhalb eines Gebäudes (Von-Punkt einer Leitung).
BA
Bodenablauf
Ablauf in einer begangenen oder befahrenen Fläche (Von-Punkt einer Leitung).
ZG
Zulauf Gerinne
Punkt an dem Abwasser einem Gerinne zugeführt wird (Bis-Punkt einer Leitung oder Entwässerungsrinne).
DR
Drainage, Anfang
Punkt, der den Anfang einer Drainageleitung definiert (Von-Punkt).
GP
Gerinnepunkt
Punkt, der den Anfang (Von-Punkt) oder das Ende (Bis-Punkt) eines Gerinnes oder einer Gerinnestrecke definiert.

Die Bezeichnung für Anschlusspunkte, mit Ausnahme von Gerinnepunkten, setzt sich wie folgt zusammen:

 
Abb. A-1 - 3 Beispiel für den Aufbau einer Anschlusspunktbezeichnung

Gerinnepunkte (GP)

Der Gerinnepunkt (GP) ist nur als Von-Punkt oder Bis-Punkt eines Gerinnes zu verwenden, wenn das Gerinne nicht mit einer anderen abwassertechnischen Anlage verknüpft ist. Die Bezeichnung des Gerinnepunktes setzt sich zusammen aus

1 = Regenwassersystem

2 = Schmutzwassersystem

3 = Mischwassersystem

4 = Sondersystem (Fließgewässer)

 
Abb. A-1 - 4 Beispiel für den Aufbau einer Gerinnepunktbezeichnung

A-1.1.2 Bezeichnungsschema für Haltungen, Leitungen, Gerinne und Rinnen

Haltungen

Eine Haltung erhält die selbe Bezeichnung wie der, in Fließrichtung betrachtet, oberhalb liegende Knoten (vgl. Anh. A-1.1). Besonderheiten ergeben sich im Fall von Aufzweigungen oder Vermaschungen. Hier sind sinnvolle, dem jeweiligen System angepasste Bezeichnungen zu wählen.  
Abb. A-1 - 5 Beispiel für eine Haltungsbezeichnung

 
Abb. A-1 - 6 Beispiel für das Ordnungssystem eines Teilnetzes
(Teilnetz 105, schematische Darstellung)

Rinnen und Gerinne

Rinnen und Gerinne erhalten ebenso wie Haltungen die selbe Bezeichnung wie der, in Fließrichtung betrachtet, oberhalb liegende Knoten.

Leitungen

In Analogie zu Haltungen erhält eine Leitung die selbe Bezeichnung wie der, in Fließrichtung betrachtet, oberhalb liegende Knoten (Von-Punkt).

Der Von-Punkt einer Leitung ist i.d.R. ein Anschlusspunkt. Handelt es sich aber um einen Schacht, erhält die Leitung die Bezeichnung des Schachtes (vgl. Abb. A-1 - 7).

Die laufende Nummer ist für unterschiedliche Leitungen im Bereich eines Objektes des Hauptentwässerungssystems (z.B. einer Haltung) jeweils fortlaufend zu vergeben (z.B. RR01 - RR99, SE01 - SE99).  
Abb. A-1 - 7 Beispiel für einen Schacht in einem Leitungssystem

Abgrenzung
zwischen Haltungen und Leitungen

Bei einem Kanalstrang, der mindestens eine Haltung beinhaltet und über einen Stutzen oder einen Abzweig mit einer Haltung verbunden ist (vgl. Haltungen 312001 und 312002 in Abb. A-1 - 8), ist gesondert vorzugehen.

Derartige Abschnitte gehören aus bautechnischer und hydraulischer Sicht zum Hauptentwässerungssystem und sind daher nicht als Leitungen, sondern durchgehend als Haltungen zu definieren.  
Abb. A-1 - 8 Beispiel für den Anschluss einer Haltung mit einem Abzweig

Zur Bestandsdokumentation ist für Haltungen, die über einen Abzweig oder Stutzen an eine weitere Haltung angeschlossen sind, als Ablaufknoten ein Anschlusspunkt vorzusehen. Im Beispiel in Abb. A-1 - 8 erhält die Haltung (312002) den Anschlusspunkt (310002AP06) als Ablaufknoten.

Zur Durchführung von hydraulischen Berechnungen ist eine Verknüpfung der Haltungen über Schächte erforderlich. Für das Beispiel in Abb. A-1 - 8 ist dementsprechend ein fiktiver Schacht anstelle des Anschlusspunktes (310002AP06) zu setzen, wobei die weiterführende Haltung (310002) durch den fiktiven Schacht in zwei Haltungen aufzuteilen ist.

 
Abb. A-1 - 9 Beispiel eines Ordnungssystems mit Haltungen und Leitungen
(Haltungs- und Leitungsbezeichnungen - hier nicht dargestellt - entsprechen den jeweiligen Von-Schacht- und Von-Punkt-Bezeichnungen)


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