A-5.5 Regenwasserbehandlung
Unter Regenwasserbehandlung wird jeder natürliche oder künstlich herbeigeführte Vorgang verstanden, der eine Verminderung der stofflichen Belastung bewirkt [DWA-M 153, 2007].
A-5.5.1 Bodenpassagen
Bei der Passage von Bodenschichten werden durch physikalische, chemische und ggf. auch biologische Vorgänge Schmutzstoffe aus dem durchströmenden Regenwasser zurückgehalten und gespeichert oder abgebaut. Somit stellen alle Versickerungsanlagen gleichzeitig auch Anlagen zur Regenwasserbehandlung dar (vgl. Anh. A-5.1 Regenwasserversickerung). Die Wirksamkeit der Regenwasserbehandlung in Versickerungsanlagen ist jedoch je nach Art der Versickerungsanlage sehr unterschiedlich. Eine Passage durch bewachsenen Oberboden ist wesentlich wirksamer als durch eine unbewachsene Bodenzone. Deshalb ist die Versickerung über belebten Oberboden stets die bevorzugte Lösung.
A-5.5.2 Filteranlagen
Filteranlagen werden in Kombination mit einem Rückhalteraum für die Behandlung von Regenwasser und Mischwasser eingesetzt. Durch das Filtermaterial, die Filterstärke und durch Beeinflussung der Durchflusszeit können neben den partikulären Stoffen zusätzlich auch gelöste Stoffe durch biologische Prozesse und Adsorption entfernt werden. In dieser Hinsicht sind besonders die Bodenfilter sehr wirksam [Handbuch Wasser 4, 1998]. Die Art und der Aufbau der vertikal durchsickerten Filterschichten in einem Bodenfilter richten sich nach der Art des Abwassers.
Ein Handbuch für Planung, Bau und Betrieb von Retentionsbodenfiltern ist im April 2003 auch vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen herausgegeben worden und kann dort bezogen werden.
Absetzbare Stoffe sowie Leichtstoffe sollten stets in vorgeschalteten Trennanlagen entfernt werden [DWA-M 153, 2007].
A-5.5.3 Sedimentationsanlagen
In Sedimentationsanlagen sind die Strömungsverhältnisse so günstig, dass spezifisch schwerere Stoffe als Wasser nach unten sinken. Durch Tauchwände werden auch Stoffe zurückgehalten, die spezifisch leichter sind als Wasser und deshalb aufschwimmen. Die Regenwasserbehandlung erfolgt somit für Stoffe mit Absetzwirkung und Auftrieb.
Regenklärbecken ohne Dauerstau
Bei Regenklärbecken ohne Dauerstau sollten die Tauchwände aufschwimmbar sein. Diese Becken werden wie Regenüberlaufbecken beim Mischverfahren ausgebildet und betrieben [ATV-DVWK-A 128, 1992]. Sie werden nach jeder Betriebsphase gereinigt.
Regenklärbecken mit Dauerstau
Regenklärbecken mit Dauerstau sind ständig gefüllt und werden nur in großen Zeitabständen für Reinigung und Inspektion entleert. Beispielsweise können das Räumgut entwässert und klassiert und die Feststoffe anschließend abgelagert oder verwertet werden.
Regenklärteiche
Regenklärteiche [Geiger, W., H. Dreiseitl, 1995] sind, bezogen auf die Regenwasserbehandlung, eine naturnah gestaltete Kombination aus Regenklärbecken mit Dauerstau und ggf. zusätzlichem Rückhalteraum. Sie bewirken eine biologische Reinigung. Ein vorgeschalteter Schlammfang ist für den Betrieb zweckmäßig [DWA-M 153, 2007].
Hydrodynamische Abscheider
Hydrodynamische Abscheider [Brombach, H., G. Weiß, 1997], Oberbegriff für Wirbelabscheider, Regenüberlaufzyklone und Zyklonabscheider, können als trockenfallende Regenklärbecken genutzt und so wie diese betrieben werden. Durch die tangentiale Einleitung des Zulaufs wird eine stabile Drehströmung erzeugt. Dadurch wird gegenüber konventionellen Regenbecken eine höhere Absetzwirkung erzeugt und ein geringeres Speichervolumen erforderlich. Hydrodynamische Abscheider sind besonders gut für kleine Einzugsgebiete geeignet [DWA-M 153, 2007].
Absetzanlagen
Absetzanlagen gemäß RAS-Ew [RAS-Ew, 1987] werden zweckmäßigerweise vor Versickerungsbecken errichtet. Es lassen sich absetzbare Stoffe über etwa 0,1 mm Korndurchmesser zurückhalten.
Leichtflüssigkeitsabscheider
Leichtstoffe lassen sich durch Leichtflüssigkeitsabscheider gemäß RiStWag [RiStWag, 2002] oder DIN EN 858 [DIN EN 858-1, 2005] zurückhalten. Sie können in der Regenwasserbehandlung in Kombination mit Regenklärbecken oder Regenrückhaltebecken eingesetzt werden [DWA-M 153, 2007].
Regenrückhaltebecken
Auch Regenrückhaltebecken können bei günstiger Gestaltung der Zu- und Abläufe bei meist großem spezifischen Volumen eine gute Reinigungsleistung erbringen [DWA-M 153, 2007].