A-6.2.4.22 Anschleuderverfahren
Verfahren
a) Allgemeine Verfahrensbeschreibung
Diese Verfahren arbeiten mit schnell rotierenden Schleuderköpfen, die den Beschichtungsstoff gegen die Rohrinnenwand werfen. Ein anschl. Glätten der Oberfläche ist nur möglich, wenn keine Rohrversätze vorhanden sind. Da diese Anforderung im Abwassersektor nur sehr selten erfüllt ist, wird die Oberfläche hierbei i.d.R. unbearbeitet gelassen.
Erforderliche Nacharbeiten: s. Abschn. "Erforderliche Nacharbeiten bei der Renovierung"
b) zugehörige Verfahren und Varianten
- Zu dem am weitesten verbreiteten Verfahren gehört das Centriline-Verfahren [STEIN, D., 1999]. Durch den schnell rotierenden Schleuderkopf wird ein Spezialmörtel mit hoher Geschwindigkeit angeschleudert und anschließend mit dem Glättrichter geglättet.
- Anschleudern von Reaktionsharzmörtel: Bei diesem Verfahren wird als Beschichtungsstoff ein zweikomponentiges Polyurethanharz mit Hilfe von Spezialschleuderköpfen auf die Rohrinnenwand geschleudert und nicht nachgeglättet. Die Arbeiten erfolgen vom Einsteigschacht aus.
- Twin-Line-Verfahren [STEIN, D., 1999]: Bei diesem Verfahren werden zwei Schläuche gleichen Durchmessers mit Harz und Härter im Werk gefüllt und in den Abwasserkanal eingezogen. Mit einer durch den Kanal gezogenen Auskleidemaschine werden die se Schläuche aufgeschnitten und der Inhalt vermischt. Das Material wird an die Rohrwand geschleudert und hat nach einer Minute bereits 90 % seiner Endfestigkeit erreicht. Der Kanal ist innerhalb weniger Stunden wieder benutzbar und dauerhaft mit Polyurethan ausgekleidet.
Anwendungsbereich
- bei Undichtigkeiten, Längs- und Querrissen sowie Korrosion;
- Kreisquerschnitte von Guss-, Stahl-, Asbestzement, Steinzeug und Betonkanälen in allen Nennweiten ab DN 80;
- die Auskleidung kann ein- oder mehrschichtig erfolgen und bei Bedarf können dem Mörtel Fasern zugegeben werden;
- Arbeitslängen je nach Nennweite ca.120 bis 450 m;
- Schichtdicken von 3 - 30 mm sind möglich.
Vorteil
- die Rohrstabilität wird erhöht;
- nahezu einsetzbar für alle Nennweiten und Haltungslängen;
- es kann mit großem Arbeitsfortschritt pro Tag saniert werden;
- Schichtdicke auch innerhalb der Haltung variierbar;
- Bei Verwendung des Spezialmörtels "Hydrokoll" lassen sich hoch sulfatbeständige und hoch säurebeständige Schichten erzeugen.
Nachteil
- Querschnittsreduzierung;
- Nennweitenänderungen, Abwinkelungen, Krümmungen und Rohrversätze stellen Zwangspunkte dar;
- zu sanierende Haltung u. Anschlusskanäle sind außer Betrieb zu setzen;
- Untergrund muss sorgfältig vorbereitet werden;
- Glättung nur bei kreisrunden Leitungen ohne Rohrversatz möglich.
Ökologische Beurteilung
Rechtliche Beurteilung
Abb. A-6 - 19 Beschichtung mittels Anschleuder-Verfahren [Information R+S Rohrtechnik]![]()