A-6.2.4.8 Hutprofil-Technik für Anschlussstutzen
Verfahren
a) Allgemeine Verfahrensbeschreibung
Die Part-Liner-Technik gemäß Kapitel A-6.2.4.6 wird mit diesem Verfahren bei der Reparatur von Anschlussstutzen eingesetzt. Dabei wird eine Manschette - zylinderförmiger, epoxidharzgetränkter Filzschlauch mit Kragen im Anschlussbereich - mittels Packer positioniert und mit Wasserdruck in die Leitung eingestülpt. Nach dem Andrücken und der thermischen Aushärtung ist eine Abdichtung und eine Stabilisierung erreicht worden, wobei der Filzschlauch die Leitung abdichtet und der Kragen die Anschlussöffnung schützt.
b) zugehörige Verfahren und Varianten
- Insituform-Hutprofil-Technik (HPT) [Information INSITUFORM];
- Sideliner Kanal-Müller-Gruppe [Information KMG]: Arbeitet nach dem gleichen System wie oben beschrieben;
- System AKE und Lacon: Hutmanschette und Inliner aus PE-HD [Information Stehmeyer + Bischoff], geeignet bei PE-HD-Inlinern im Hauptkanal.
Anwendungsgebiet
- nicht fachgerecht angebundene Anschlüsse mit Rissen und Spalten;
- für Anschlüsse: DN 100 - DN 200 und Sammler DN 200 - DN 600.
Vorteil
- Bedingt durch die Baulänge von 30-40 cm wird meistens auch der Bereich der ersten Muffe überdeckt, die häufig ebenfalls eine potentielle Schadstelle ist.
Nachteil
- dauerhafte Abdichtung von Undichtigkeiten nicht möglich;
- der Kanal muss für die Arbeiten teilweise abwasserfrei sein;
- Inkrustationen auf der Rohrwandung und Abflusshindernisse müssen vorher beseitigt werden, da sonst verminderte Haftung;
- Langzeitverhalten ist problematisch [W. Bopp, 1996];
- Bei nicht sauberer Verarbeitung bzw. größeren Übergängen zur Rohrwandung im Hauptkanal können Probleme bei der HD-Spülung auftreten (ggf. Umstellung auf Schwallspülung).
- hauptsächlich günstig für Rohre aus mineralischen Werkstoffen;
- stark verzögerte Aushärtung bei Temperaturen unter 5°C.
Ökologische Beurteilung
- Indirekte Auswirkungen: Vitalitätsverluste bei Bäumen und Sträuchern durch Stoffeintrag, evtl. langfristig durch Überschussharz, im Wurzelbereich möglich.
Rechtliche Beurteilung
- Träger und Harzreste sind ordnungsgemäß zu entsorgen;
- Gemäß WHG § 34 Abs. 1 darf eine schädliche Verunreinigung des Grundwassers oder eine sonstige nachteilige Veränderung seiner Eigenschaft durch die Einleitung von Stoffen nicht zu besorgen sein (unbedingt Umweltverträglichkeit der Materialien beachten).
Abb. A-6 - 8 Systemskizze Insituform-Hutprofil [Information INSITUFORM]![]()
Leistungsbeschreibung
Gemäß: STLB-Bau Dynamische Baudaten
Leistungsbereich 009 AbwasserkanalarbeitenVorarbeiten
Reinigung:
Unterverzeichnis: Reinigungen, Inspektionen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Reinigung Abwasserkanäle, -leitungen, rinnenAbflusshindernisse beseitigen:
Unterverzeichnis: Reinigungen, Inspektionen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Abflusshindernisse beseitigenHauptposition
Anschlussstutzen in Hutprofil-Technik einbinden:
Unterverzeichnis: Sanierung - Abwasserkanäle, Leitungen, Schächte
Unterverzeichnis: Renovierungen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Anschlussleitungen/Inliner einbinden
Beschreibungsmerkmal: vorhandene Anschlussleitung aus .....Die verschiedenen Textteile stehen jeweils im Zusammenhang mit dem Werkstoff der Anschlussleitung und einem bestimmten Reliningverfahren für den Hauptkanal.
Nacharbeiten
Inspektion:
Unterverzeichnis: Reinigungen, Inspektionen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Optische Inspektion Abwasserkanäle, -leitungenDichtheitsprüfung:
Teilleistungsgruppe: Dichtheitsprüfungen - EntwässerungsbauteilZusätzliche technische Vertragsbedingungen zur Qualitätssicherung
Als zusätzliche technische Vertragsbedingungen ist folgendes Merkblatt des Rohrleitungssanierungsverbandes e.V. zu vereinbaren:
RSV 1, Febr. 2000: Renovierung von drucklosen Abwasserkanälen und Rohrleitungen mit vor Ort härtendem Schlauchlining
Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung
Dieses Merkblatt enthält die Güteanforderungen und die Gütesicherungen für die Baustoffe und die Materialien, das Sanierungssystem und die Arbeitsabläufe.
Die wesentlichen Aspekte sind nachfolgend aufgeführt.
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
- Harzmassen: Die eingesetzten Harze müssen abwasserbeständig und feuchtigkeitsunempfindlich sein sowie die Formstoffeigenschaften nach DIN 16946-2, mindestens Typ 1130 für UP-Harze und mindestens Typ 1020-0 für Epoxidharze erfüllen. Die eingesetzten Harzmassen müssen mindestens die Spezifikationen erfüllen, wie sie beispielhaft für UP-Harze in DIN 18820-1, Gruppe 3 definiert werden.
- Träger-/Verstärkungsmaterial: Es dürfen nur industriell hergestellte korrosionsbeständige Träger- und/oder Verstärkungsmaterialien verwendet werden. Glasfasern dürfen gemäß Wasserhaushaltsgesetz nicht an der Oberfläche freiliegen, sondern müssen grundsätzlich mit Harzmassen überdeckt sein. Der Schlauch wird luftblasenarm gemäß DIN 18820-3 hergestellt.
- Im Rahmen der Eigen- und Fremdüberwachung sind alle Nachweise gemäß RSV 1, Tabelle 4 für die Bereiche: Herstellung, Eignungsprüfung und Baustellenbeprobung zu erbringen.
Für das Sanierungssystem
- Die Rohrwandungen sind vor dem Einbau zu reinigen. Der Einbau erfolgt ferngesteuert unter ständiger Kamerabeobachtung.
- Während des Mischens der Harzkomponenten und Tränkung des Gewebes ist sorgfältig darauf zu achten, dass keine Luft eingeschlossen wird.
- Vor dem Einbau des Hutprofils sind einragende oder zurückstehende Stutzen zu bearbeiten.
Für die Arbeitsabläufe
- Das ausführende Unternehmen muss güteüberwacht sein (z.B. RAL-Gütezeichen) und über ein firmeninternes Qualitätssicherungssystem verfügen.
- Weitere Voraussetzungen sind die Zertifizierung des Unternehmens nach DIN EN ISO 9000 ff und die Anerkennung als Fachbetrieb nach §19 I WHG
- Es darf nur fachtechnisch geprüftes Personal eingesetzt werden.
Bauzeit
Bauüberwachung
- Der Anschluss eines PE-HD-Hutprofils an einen materialgleichen Inliner kann nur durch eine Schweißung erfolgen, da Bauteile auf Polyethylen-Basis nicht verklebt werden können.
Qualitätsnachweise
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
Für das Sanierungssystem
- Optische Inspektion gemäß Kapitel Reinigung und Inspektion (vgl. Anhang A-2)
- Dichtheitsprüfung gemäß DIN EN 1610 / ATV M 143-6
Für die Arbeitsabläufe
- Die einzelnen Arbeitsschritte sind im Rahmen der Eigenüberwachung nachvollziehbar zu dokumentieren.
- Videobeobachtung und -aufzeichnung der Roboterarbeiten und eventuell Fotodokumentation der aufgefrästen Schadensstelle sind vorzulegen.
- Die Dokumentation muss mindestens die in der Anlage des Merkblattes RSV 1 enthaltenen Protokolle zum Einbau, zur Begutachtung sowie den Probenbegleitschein für die Materialprobe umfassen.
- Sämtliche Protokolle und Dokumentationen, die Aufschluss über den Bauablauf und das fertige Produkt geben, sind nach Abschluss der Arbeiten zusammenzustellen und dem Auftraggeber auszuhändigen.