A-6.4.4.11 Berstlining
Verfahren
a) Allgemeine Verfahrensbeschreibung
Für die Erneuerung von Leitungen in geschlossener Bauweise, vor allem bei langen und sehr tiefen Leitungen, ist das Berstliningverfahren geeignet, da hiermit insbesondere Querschnitte zwischen DN 100 und DN 400 unterirdisch hergestellt werden können. Eine offene Start- und Zielgrube (falls keine Schächte vorhanden sind) sowie ggf. Zwischengruben bei Abzweigungen und Bögen sind allerdings erforderlich.
Das Verfahren ist sinnvoll einsetzbar bei langen geraden Leitungen. Die Altleitung muss aus Steinzeug, unbewehrtem Beton, GG oder FZ bestehen. Kunststoffleitungen können mit diesem Verfahren nicht saniert werden.
Mit dem Berstliningverfahren ist eine Möglichkeit gegeben, die alte Leitung zu zerstören und gleichzeitig ein neues Rohr einzuziehen. Im zu bearbeitenden Kanal werden zuerst die Anschlusskanäle abgetrennt. Anschl. wird ein Verdrängungskörper durch das Altrohr hindurchgezogen, wobei es zerstört wird, und die Scherben in den anstehenden Boden verdrängt werden. Direkt hinter dem Verdrängungskörper erfolgt das Einziehen des neuen Kanals. Die Arbeiten können vom Einsteigschacht oder über eine Startbaugrube ausgeführt werden.
Der Berstvorgang kann mit dynamischer oder statischer Krafteinleitung erfolgen.
Die dynamisch wirkenden Schlagimpulse können verbunden sein mit:
- Erschütterungen und hohem Geräuschpegel
- unkontrollierten vorauseilenden Zerstörungen oder Einstürzen des zu erneuernden Kanals
- ungewollte Verdichtung des Bodens im Bereich der Leitungszone in Verbindung mit Setzungen der Straßenoberfläche usw.
Für sensible Bodenbereiche mit unmittelbar benachbarten Fremdleitungen oder Bauwerken empfiehlt sich das statisch arbeitende Berstverfahren, bei dem o.g. Nachteile ausgeschaltet werden.
b) zugehörige Verfahren und Varianten
Man unterscheidet folgende Einbauweisen:
- Einziehen eines Rohrstranges aus PVC oder PE-HD
- Einziehen von Kurzrohren mit glatter Außenkontur aus PVC oder PE-HD
- Einschieben von Kurzrohren mit glatter Außenkontur
Anwendungsbereich
- Sämtliche Schadensarten, z. Teil auch bei Einsturz;
- kreisförmige Rohrquerschnitte, ab DN 80;
- möglichst spröde Rohrwerkstoffe (z. B. Grauguss, Steinzeug oder unbewehrter Beton);
- das statisch Berstlining schneidet zusätzlich duktiles Grauguss und Stahl
- verdrängungsfähige Leitungszone und ausreichende Bettung müssen vorhanden sein.
Vorteil
- Querschnittsvergrößerung möglich;
- hohe Lebensdauer des neuen Kanals und der neuen Anschlüsse;
- schnelle Verfügbarkeit, kurze Bauzeiten, geringer Personalaufwand;
- Vorbehandlungen am Altrohr, wie evtl. Reinigung, Beseitigung von Ablagerungen und Wurzeln sowie Abfräsen von Hindernissen sind nicht erforderlich.
Nachteil
- Leitungstrasse muss in vertikaler und horizontaler Richtung geradlinig und ohne größere Abwinkelungen sein (max. Ausbiegung 5 cm);
- Erstellen einer Startbaugrube sowie Baugruben in Anschlussbereichen notwendig (nur bei Einziehen eines Rohrstranges);
- Einsatz bei im Grundwasser liegenden Kanälen nicht oder nur bedingt mit Hilfsmitteln möglich;
- Hausanschlüsse müssen vorher abgebunden und anschl. in offener Bauweise an den neuen Kanal angeschlossen werden;
- hohe Anzahl an Rohrverbindungen beim Einbringen von Kurzrohren.
Ökologische Beurteilung
- direkte Beeinträchtigung/Gefährdung von Bäumen und Sträuchern beim Bersten der alten Leitung durch Kappung der Wurzeln, Wurzelquetschungen, -abriss oder -verdrängung möglich;
- Veränderung/Verdichtung des Bettungsbereiches durch Eindringen der Bruchstücke möglich.
Rechtliche Beurteilung
- Schäden an Rechtsgütern (Eigentumsrecht) möglich durch Vibrationen und Bodenverdichtung;
- In der Vergangenheit wurde die Ansicht vertreten, dass die im Untergrund verbleibenden Altrohrscherben eine Kontamination des Untergrundes verursachen bzw. im Sinne des Abfallgesetzes unerlaubten Abfall darstellen. Diese juristischen Argumente wurden zumindest für den Abwasserbereich zwischenzeitlich widerlegt, d. h. es bestehen keine wasser- und abfallrechtlichen Bedenken gegen den Einsatz des Berstverfahrens.
Leistungsbeschreibung
Vorarbeiten
- Fall a: Herstellung Start- und Zielbaugrube (bei Rohrsträngen):
- Pos. 1: Aushub von Start-, Zwischen- und Zielgruben, Bodenklasse _______. Das Aushubmaterial ist seitlich zu lagern / abzufahren. Der Verbau ist entsprechend den statischen Erfordernissen und anerkannten Regeln der Technik herzustellen, ggf. dicht gegen Grundwasser. Grubenmaße: LxBxT=____x____x____m. Die Baugrube ist mit dem seitlich lagernden Bodenmaterial / Ersatzboden zu verfüllen. Die Lieferung des Ersatzbodens wird gesondert vergütet.
[Stück]- Fall b: Berstlining aus bestehendem Schacht (bei Kurzrohren):
- Pos. 1: Schachtgerinne aus _________ auf eine Tiefe von 20 cm ausbrechen und Rohreinbindung auf das für die Sanierung nötige Maß aufstemmen. Bei dem Schacht handelt es sich um einen Beton-/Mauerwerksschacht DN _____. mit einer Sohlentiefe von ____m.
Altrohr: Werkstoff:_________, DN:______
Neurohr: Werkstoff: :_________, DN:______
[Stück]Hauptposition
- Pos. 2: Erneuerung eines Altrohrs im Berstliningverfahren durch Zertrümmerung des vorhandenen Rohrs und Verdrängung in das umgebende Erdreich mit Aufweitung des Bohrprofils zum Einziehen des neuen Rohrs. Abrechnung von Innenkante Schacht bis Innenkante Schacht.
Altrohr: Werkstoff:_________, DN:______, Gefälle:____o/oo
Neurohr: Werkstoff: :_________, DN:______
Aufzeichnung der Aufweit- und Vorschubdrücke sowie permanente TV-Überwachung während der Durchführung.
[m]Nacharbeiten
Gemäß: STLB-Bau Dynamische Baudaten
Leistungsbereich 009 AbwasserkanalarbeitenWiederherstellung der Schachtsohlen:
Unterverzeichnis: Sanierung - Abwasserkanäle, Leitungen, Schächte
Unterverzeichnis: Renovierungen - Schächte
Teilleistungsgruppe: Renovierungen SchachtsohlenEinbindung Anschlussleitungen / Inliner:
Unterverzeichnis: Sanierung - Abwasserkanäle, Leitungen, Schächte
Unterverzeichnis: Renovierungen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Anschlussleitungen / Inliner einbindenInspektion:
Unterverzeichnis: Reinigungen, Inspektionen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Optische Inspektion Abwasserkanäle, -leitungenDichtheitsprüfung:
Teilleistungsgruppe: Dichtheitsprüfungen - EntwässerungsbauteilZusätzliche technische Vertragsbedingungen zur Qualitätssicherung
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
- Die Dimensionierung des Neurohres richtet sich nach den statischen Erfordernissen. Es ist eine Rohrstatik gemäß ATV M 127-2 vorzulegen.
- Die Dichtringe der Kurzrohre müssen der DIN 4060 "Rohrverbindungen von Abwasserkanälen und -leitungen mit Elastomerdichtungen" entsprechen.
Für das Sanierungssystem
Für die Arbeitsabläufe
- Es muss ein Bodengutachten vorliegen. Dieses ist (in Auszügen) dem Leistungsverzeichnis beizulegen.
- Das ausführende Unternehmen muss güteüberwacht sein (z.B. RAL-Gütezeichen) und über ein firmeninternes Qualitätssicherungssystem verfügen.
- Es darf nur fachtechnisch geprüftes Personal eingesetzt werden.
Bauzeit
Bauüberwachung
- Das Bodengutachten sollte Aussagen über die Lagerungsdichte, Grundwasserverhältnisse und den anstehenden Baugrund enthalten. Mit der Lagerungsdichte von Geländeoberkante bis ca. 1 m unter Rohrsohle können Aussagen über die Verdrängbarkeit getroffen werden und die Richtung der Hauptverdrängung abgeschätzt werden. Oftmals sind zu weiche Bodenschichten Ursache für Schäden an der Altleitung. In diesem Fall kann eine Bodenverfestigung erforderlich sein.
- Um eine zu starke Stauchung der Muffen zu vermeiden, sollten bei Haltungslängen > 50 m nur Rohrstränge eingezogen werden.
- Die Überdeckungshöhe sollte mindestens das drei- bis sechsfache des Nenndurchmessers betragen, um Aufwölbungen in der Oberfläche zu verhindern.
- Durch das Einziehen von PE-HD-Rohren entstehen Riefen in der Außenwand bis zu 1 mm Tiefe, die auf die Scherbeneinwirkungen zurückzuführen sind. Dieser Verlust an Wandstärke ist bei der Planung zu berücksichtigen.
- Fremdleitungen in einem Abstand von weniger als 2 m zur Leitung sollten bei der Bauausführung beobachtet werden. Um Schäden an diesen benachbarten Leitungen infolge des dynamischen Berstlinings zu vermeiden, sollten die Abstände so groß sein, dass die diesbezüglichen Anforderungen nach DIN 4150 "Erschütterungen im Bauwesen" eingehalten werden.
- Der Aufweit- und Vorpressdruck wird über Manometer am Steuerstand kontrolliert.
- Der Berstvorgang kann weiterhin über einen Messschreiber, der den Druckverlauf dokumentiert, kontrolliert werden.
- Um zu vermeiden, dass beim Einschub von Kurzrohren diese durch die Vorschubkräfte überlastet werden, kann die dem jeweiligen Inlinerrohr entsprechende Schubkraft an einem Überdruckventil eingestellt werden, das automatisch öffnet, wenn der zulässige Vorschubdruck erreicht ist.
Qualitätsnachweise
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
- Liefernachweise des Herstellerwerkes.
- Der Rohrhersteller sollte Mitglied der Gütegemeinschaft Kunststoffrohre e.V. Bonn sein (Güteüberwachung).
Für das Sanierungssystem
- Optische Inspektion gemäß Kapitel Reinigung und Inspektion (vgl. Anhang A-2)
- Dichtheitsprüfung gemäß DIN EN 1610 / ATV M 143-6
Für die Arbeitsabläufe