A-6.4.4.3 Flutungsverfahren
Verfahren
a) Allgemeine Verfahrensbeschreibung
Bei diesen Verfahren werden die Undichtigkeiten in der Leitung zur Ableitung des aus zwei Komponenten bestehenden Injektionsmittels in den angrenzenden Boden genutzt. Die Injektionsmittel werden zur Abdichtung und/oder Verfestigung eingebracht. Der Ablauf des auch unter dem Namen Sanipor oder Rathosan [Information Radmer] bekannten Verfahrens sieht wie folgt aus:
- Reinigung und optischen Inspektion sowie Dichtheitsprüfung
- Absperrung der Sanierungshaltung bzw. des Teilstückes
- Auffüllen der Haltung vom Tiefpunkt aus mit Komponente A
- Abpumpen der Komponente A
- Spülung der Haltung
- Auffüllen der Haltung mit Komponente B
- Abpumpen der Komponente B und Endspülung
Es hat sich ein sandsteinartiges Konglomerat gebildet.
Eine Zwischenabnahme kann bereits nach 4-5 Stunden erfolgen, die Dichtheitsprüfung sowie die Schlussabnahme mit Kamerabefahrung erfolgt nach ca. 7 Tagen.
b) zugehörige Verfahren und Varianten
- Sanipor-Verfahren [Information Allgemeine Industrie Vertriebs- und Beratungs GmbH];
- Rathosan-Verfahren, Radmer Umwelttechnik [Information Radmer];
- TUBOGEL - 2-Komponenten-Flutsystem, es bildet sich ein festes, sandsteinartiges Silikat [Information FINK Umwelttechnik].
Anwendungsbereich
- alle Undichtigkeiten wie Risse, undichte Muffen und Seitenzuläufe;
- besonders geeignet für Haltungen, die über die gesamte Länge kleinere Schäden und Undichtigkeiten aufweisen, wobei auch nicht sichtbare Schadstellen saniert werden;
- anwendbar für die Rohrwerkstoffe Steinzeug, Beton, Asbestzement und Guss, auch für gemauerte Kanäle, jedoch nur bedingt für PVC/PE;
- Einsatzbereiche ab DN 25.
Vorteil
- keine Aufgrabung erforderlich;
- zusätzlicher Schutz von Betonrohren durch neutralisierende Versiegelung gegen biogene Schwefelsäurekorrosion;
- Verbesserung der Rohreinbettung und Stabilisierung der Leitungszone;
- das Verfahren kann auch bei unzugänglichen Hausanschlüssen ohne Revisionsöffnungen sowie bei Haltungen mit Bögen und Abzweigen angewendet werden;
- das Verfahren kann bei Exfiltration und eindringendem Grundwasser angewendet werden.
Nachteil
- für die Dauer der Sanierungsmaßnahme muss die Haltung außer Betrieb benommen werden;
- Probleme können bei starkem Grundwasserstrom u. -eintritt sowie grobkörnigem Boden in der Leitungszone auftreten;
- viel Platz für Tankfahrzeuge erforderlich, ansonsten geringe Baustelleneinrichtung;
- die entstandene Innenbeschichtung der Rohrwandung ist spröde und daher anfällig gegen Erschütterungen und Setzungen (nicht empfehlenswert in Bergsenkungsgebieten sowie bei starken dynamischen Verkehrslasten);
- nicht geeignet bei gefährdeter Standsicherheit der Leitung, Scherbenbildung, Rohrbrüchen sowie bei Betonummantelungen und Betonauflager.
Ökologische Beurteilung
- Durch die Abgabe von Injektionsmittel in den Boden ist eine Verfestigung des Bodens möglich;
- Umgebungseinflüsse können auch nach sorgfältiger Zusammenstellung der Lösungen in den Reaktionsprozess mit eingreifen und verhindern, dass dieser optimal abläuft;
- Grundwasserbelastung durch nicht abgebundene Substanz;
- wasserfeste Kleidung, Schutzhandschuhe, Schutzbrille sowie Atem- und Mundschutz beim Umgang mit den Chemikalien unbedingt notwendig.
Rechtliche Beurteilung
- Gemäß WHG § 34 Abs. 1 darf eine schädliche Verunreinigung des Grundwassers oder eine sonstige nachteilige Veränderung seiner Eigenschaft durch die Einleitung von Stoffen nicht zu besorgen sein (unbedingt Umweltverträglichkeit der Materialien beachten).
- Materialreste bzw. deren Einzelkomponenten sind ordnungsgemäß zu entsorgen;
Abb. A-6 - 31 Arbeitsablauf beim Flutungsverfahren (Sanipor) [Information Allgemeine Industrie Vertriebs- und Beratungs GmbH]![]()
a) Flutung der Haltung mit Komponente A
b) Nach Abpumpen der Komponente A: Spülung der Haltung
Leistungsbeschreibung
Gemäß: STLB-Bau Dynamische Baudaten
Leistungsbereich 009 AbwasserkanalarbeitenVorarbeiten
Reinigung:
Unterverzeichnis: Reinigungen, Inspektionen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Reinigung Abwasserkanäle, -leitungen, rinnenAbflusshindernisse beseitigen:
Unterverzeichnis: Reinigungen, Inspektionen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Abflusshindernisse beseitigenHauptposition
Abwasserkanal im Flutungsverfahren dichten:
Unterverzeichnis: Sanierung - Abwasserkanäle, Leitungen, Schächte
Unterverzeichnis: Reparatur - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Reparaturen Kanäle / -leitungen -FlutungsverfahrenNacharbeiten
Inspektion:
Unterverzeichnis: Reinigungen, Inspektionen - Abwasserkanäle, Leitungen
Teilleistungsgruppe: Optische Inspektion Abwasserkanäle, -leitungenDichtheitsprüfung:
Teilleistungsgruppe: Dichtheitsprüfungen - EntwässerungsbauteilZusätzliche technische Vertragsbedingungen zur Qualitätssicherung
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
- Nachweis eines anerkannten Prüfinstitutes zur Umweltverträglichkeit des Verfahrens.
- Vorlage der Sicherheitsdatenblätter.
Für das Sanierungssystem
- Nach dem Einfüllen von Lösung 1 ist das Absinken des Flüssigkeitsspiegels zu dokumentieren. Nach Abpumpen dieser Lösung ist die Leitung gründlich zu spülen. Die zweite Lösung verbleibt bis zum Stillstand des Absinkens des Flüssigkeitsspiegels im Leitungsabschnitt, maximal jedoch ca. 45 Minuten. Nach dem Abpumpen dieser zweiten Lösung ist die Leitung wiederum gründlich zu spülen. Das Spülwasser der beiden Reinigungsvorgänge ist separat aufzufangen und zu entsorgen.
Für die Arbeitsabläufe
- Das ausführende Unternehmen muss güteüberwacht sein (z.B. RAL-Gütezeichen) und über ein firmeninternes Qualitätssicherungssystem verfügen.
- Es darf nur fachtechnisch geprüftes Personal eingesetzt werden.
Bauzeit
- Eine Haltung mit einer Länge von ca. 50 m wird einschließlich der Vorarbeiten in 8 bis 10 Stunden saniert.
Bauüberwachung
- Es muss kontrolliert werden, dass alle seitlichen Anschlüsse, z. B. Kellerabläufe oder Dränagen abgesperrt sind.
- Vor der Sanierung ist eine Wasserdichtheitsprüfung des zu sanierenden Leitungsabschnitts durchzuführen und die Wasserverlustmenge festzustellen. Dadurch sollen eventuelle Hohlräume im Erdreich festgestellt werden.
- In Sonderfällen, z. B. bei stark durchlässigem Boden in der Leitungszone und partiell starkem Wassereintritt können spezielle Maßnahmen erforderlich sein, z. B. Vorabdichtung mit einer Zementsuspension, Grundwasserabsenkung oder Mehrfachanwendung des Verfahrens.
Qualitätsnachweise
Für die eingesetzten Materialien und Baustoffe
- Liefernachweise des Herstellerwerkes.
- Nachweis der Umweltverträglichkeit des Materials.
- Von jeder Lieferung der Werkstoffe sind im Rahmen der Eigenüberwachung Rückstellproben zu nehmen. Diese sind bei Bedarf zu analysieren und mit den Anforderungen abzugleichen.
- Im Rahmen der Eigenüberwachung sind die Materialrelevanten Soll/Ist-Werte zu dokumentieren.
Für das Sanierungssystem
- Optische Inspektion gemäß Kapitel Reinigung und Inspektion (vgl. Anhang A-2)
- Dichtheitsprüfung gemäß DIN EN 1610 / ATV M 143-6, frühestens nach 7 Tagen
Für die Arbeitsabläufe