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A-8.7.1 Kostenvergleichsbetrachtung
Methode
Die Kostenvergleichsbetrachtung ist nach den von der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser aufgestellten "Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen" [LAWA] als
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Barwert- und Annuitätenberechnung
auszuführen.
Voraussetzungen
Die Anwendung dieser Methode setzt eine Nutzensgleichheit der Varianten voraus. Bezogen auf die Definition von Baumaßnahmen (z.B. Sanierung von Kanälen oder naturnahe Regenwasserbewirtschaftung) bedeutet dies eine gleiche Eignung der Varianten, die Entwässerung über gleichlange Zeiträume mit den gleichen funktionalen Eigenschaften sicherzustellen.
Falls die Varianten unterschiedliche Investitionszeitpunkte und/oder Nutzungsdauern aufweisen, sind sie für den Vergleich mit Berücksichtigung der Zinseffekte auf einen Zeitpunkt und Betrachtungszeitraum zu normieren.
Nicht monetär bewertbare Wirkungen der einzelnen Maßnahmen (z.B. Aspekte der Nachhaltigkeit) werden im Rahmen eines Kostenvergleichs nicht berücksichtigt. Sie dürfen demnach keine Bedeutung für die Entscheidung haben bzw. müssen bei den Varianten in gleicher Größenordnung auftreten. Ansonsten wird eine über den Kostenvergleich hinausgehende Bewertung erforderlich.
Bei der Planung und Ausführung sind Kosteneinsparpotenziale, z. B. durch die gemeinsame Sanierung von Abwasseranlagen und Verkehrsflächen, zu nutzen. Mögliche Einsparungen sind beim Kostenvergleich zu berücksichtigen.
Berechnungsgrundlagen
Kostenarten
Für den Kostenvergleich werden folgende Kostenarten unterschieden:
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direkte Projektkosten
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Investitionskosten
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laufende Kosten
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indirekte Kosten
Investitionskosten
Die Investitionskosten für die Baumaßnahmen werden gemäß den Technischen Spezifikationen TS 3 abgeschätzt.
Für ein langfristiges Konzept zur Instandhaltung von Abwasseranlagen ist es wichtig, die zukünftige Entwicklung des Zustands und ggf. den zukünftigen Bedarf einer Funktionsanpassung zu prognostizieren. Das bedeutet, dass in einem Kostenvergleich auch die Folgeinvestitionen berücksichtigt werden müssen. Für einen Überblick empfiehlt es sich, die zeitliche Entwicklung der Kosten für die einzelnen Varianten grafisch darzustellen.
Werden der Berechnung Kostendaten bereits abgewickelter Projekte zugrunde gelegt, können diese anhand der Preisindizes des Statistischen Bundesamtes für die Kalkulation aktualisiert werden.
Laufende Kosten
Die laufenden Kosten für den Betrieb (Reinigung, Wartung und Inspektion) sind ebenfalls zu berücksichtigen. Im Regelfall wird die durchschnittliche jährliche Belastung an laufenden Kosten veranschlagt.
Beim Vergleich von aus betrieblicher Sicht gleichwertigen Sanierungsvarianten (z.B. Reparatur gegenüber Renovierung) können die laufenden Kosten vernachlässigt werden. Ist hingegen eine strukturelle Änderung des Entwässerungssystems vorgesehen, können die laufenden Kosten einzelner Varianten (z.B. Regenwasserbewirtschaftung gegenüber Querschnittsvergrößerung) große Unterschiede aufweisen und sind unbedingt zu berücksichtigen.
Indirekte Kosten
Kosten, die nicht den Träger einer Maßnahme wirtschaftlich belasten, sondern durch die Beeinträchtigung der Umgebung (z.B. Auswirkungen auf den Bewuchs; Verkehrsbehinderungen) entstehen, werden als indirekte Kosten bezeichnet. Weisen Sanierungsvarianten unterschiedliche Anteile indirekter Kosten auf, so sind diese vom Grundsatz her zu berücksichtigen. Ansätze zur Berechnung indirekter Kosten finden sich in [GSTT] und [STEIN, D., 1999].
Finanzmathematische Aufbereitung
Barwert- und Annuitätenberechnung
Zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallende Kosten besitzen eine unterschiedliche Wertschätzung. Zum Zwecke des Vergleichs müssen alle Kosten (Investitions- und laufende Kosten) auf einen Bezugszeitpunkt (i.d.R. Zeitpunkt der Kalkulation bzw. Erstinvestition) umgerechnet werden. Vor dem Bezugszeitpunkt anfallende Kosten sind auf-, nach dem Bezugszeitpunkt anfallende Kosten abzuzinsen (Barwertberechnung).
Der Projektkostenbarwert, also die Summe aller Barwerte einer Projektvariante, entspricht dem Betrag, der im Bezugszeitpunkt für die Finanzierung der Projektvariante bereit gestellt werden müsste.
Die Jahreskosten (Annuitäten) geben die äquivalente jährliche Belastung zur Finanzierung der Projektvariante innerhalb des Untersuchungszeitraumes an.
Kalkulationsparameter
Für die finanzmathematische Umrechnung sind Angaben zu
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Nutzungsdauer,
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Kalkulationszinssatz und ggf. zum
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Untersuchungszeitraum (Betrachtungshorizont)
erforderlich. Diese sind für die LAK-Bearbeitung mit dem AG abzustimmen bzw. durch diesen vorzugeben.
Nutzungsdauer
Die Vorteilhaftigkeit einer Variante ist von der Nutzungsdauer der sanierten bzw. neu gebauten Objekte abhängig. Die technisch mögliche Nutzungsdauer wird von der
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örtlichen Situation,
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Planungsqualität,
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Ausführungsqualität und
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Materialqualität
beeinflusst und ist daher schwer zu verallgemeinern.
Statt der technisch möglichen Nutzungsdauer werden für Kostenvergleiche Erfahrungswerte der durchschnittlichen Nutzungsdauer verwendet. Diese entspricht der im Anhang A-6 für die einzelnen Sanierungsverfahren genannten Lebensdauer. In der 7. Auflage der LAWA-Leitlinien [LAWA] werden für die Nutzungsdauern abwassertechnischer Anlagen und Sanierungsmaßnahmen folgende Wertebereiche genannt:
 
Tab. A-8 - 4 Durchschnittliche Nutzungsdauer abwassertechnischer Anlagen gem. [LAWA]
Art der Anlagen
Durchschnittliche Nutzungsdauer in Jahren
Kanäle (Neubau/Erneuerung)
50 - 80
Kanäle (Reparatur)
2 - 15
Kanäle (Renovierung)
25 - 40
Schächte (Neubau/Erneuerung)
50 - 80
Regenüberlaufbauwerke
- baulicher Teil
- maschineller Teil
 
50 - 70
5 - 20
Pumpwerke
- baulicher Teil
- Pumpen (abh. von Pumpenart)
 
25 - 40
8 - 40
Versickerungssysteme für Regenwasser
20 - 30
Zinssatz
Für Liegenschaften des Bundes wird der Kalkulationszinssatz durch das Bundesministerium der Finanzen jährlich neu vorgegeben (Erlass des BMF vom 19.01.2005, Kalkulationszinssätze für Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen (vgl. Anh. A-13.1.1)). Bei rein betriebswirtschaftlichen Berechnungen orientiert sich der zu verwendende Zinssatz an den Kapitalmarktverhältnissen.
Preisentwicklung
Die Berücksichtigung zukünftiger Preissteigerungen wird nicht empfohlen, da die Preisentwicklung bei Kanalbau und Sanierung langfristig nicht abzuschätzen ist.
Untersuchungszeitraum
Ein Kostenvergleich bezieht sich immer auf einen Untersuchungszeitraum, innerhalb dessen die Varianten auszuführen sind. Dieser ist in Abstimmung mit dem Auftraggeber zu wählen, wobei
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die jeweilige Planungsaufgabe,
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die maßgeblichen Nutzungsdauern der Maßnahmen,
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die voraussichtlichen Investitionszeitpunkte der einzelnen Maßnahmen und
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die Infrastruktursicherheit des Standortes
zu berücksichtigen sind.
In einigen Fällen ist die Festlegung eines Untersuchungszeitraumes nicht zielführend, z.B. wenn
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Varianten unterschiedlich gestaffelte Investitionen beinhalten,
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Varianten ungleiche Nutzungsdauern aufweisen, deren kleinstes gemeinsames Vielfaches einen unrealistisch langen Untersuchungszeitraum mit sich brächte oder wenn
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die der Planung zugrunde liegenden Randbedingungen nicht sicher sind.
In diesen Fällen ist es sinnvoll, den Kostenvergleich in Abhängigkeit eines variablen Untersuchungszeitraumes aufzustellen (vgl. Tab. A-8 - 5: Vergleich der zeitlichen Entwicklung der Kostenbarwerte).
Kostengegenüberstellung und Gesamtbeurteilung
Kostengegenüberstellung
Nach der finanzmathematischen Aufbereitung der Kosten wird die Kostenvorteilhaftigkeit einer Variante durch Kostengegenüberstellung bestimmt. Abhängig von den Nutzungsdauern und der zeitlichen Abfolge von Investitionen für die einzelnen Varianten bestehen unterschiedliche Vergleichsmöglichkeiten:
Tab. A-8 - 5 Vergleich der zeitlichen Entwicklung der Kostenbarwerte
Ausgangslage
Art der Kostengegenüberstellung
gleich lange Nutzungsdauern der Varianten
Einfacher Vergleich von Kostenbarwerten / Jahreskosten
Summe der Nutzungsdauern für die einzelnen Konzepte identisch
Vergleich äquivalenter Kostenbarwerte
unregelmäßige Abfolge von Investitionen; kein eindeutiger Untersuchungszeitraum festzulegen
Vergleich der zeitlichen Entwicklung der Kostenbarwerte
Empfindlichkeitsprüfungen
Die geschätzten Kosten und die gewählten Kalkulationsparameter sind mit einer Unsicherheit behaftet. Durch Variation von Kosten, Nutzungsdauern, Zinssatz und Untersuchungszeitraum kann die Empfindlichkeit der ökonomischen Entscheidung überprüft werden.
Ermittlung kritischer Werte
Die Stabilität der Ergebnisse kann auch durch die Ermittlung kritischer Werte überprüft werden. Diese geben an, wo sich die Vorteilhaftigkeit der Varianten umkehrt. So kann z.B. für die Vorteilhaftigkeit einer grabenlosen Kanalsanierung gegenüber einer offenen Neuverlegung eine kritische Tiefe angegeben werden.
Gesamtbeurteilung
Für die Entscheidungsfindung sind
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die Berechnungsgrundlagen (Kosten),
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die Kalkulationsparameter (Zinssatz, Nutzungsdauern),
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die Rechenergebnisse (Barwerte bzw. Barwertverlauf),
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die Ergebnisse der Empfindlichkeitsprüfung sowie
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die ggf. ermittelten kritischen Werte
in übersichtlicher Form zusammen zu stellen und zu dokumentieren.