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A-5.1.3 Grundsätze der Regenwasserversickerung
Die Realisierung der Maßnahmen hängt im Einzelnen ab von
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der Sanierungs-/Erschließungsaufgabe
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den Standortvoraussetzungen (z.B. Geländegefälle, Untergrund, Grundwasser, Bebauungs-, Freiraum- und Geländestruktur, Gewässernähe)
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den Umweltanforderungen (Boden- und Grundwasserschutz)
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der Organisation von Betrieb und Kontrolle der Anlagen
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der Wirtschaftlichkeit
Verfahrensvorgabe
Der naturnahe Umgang mit Regenwasser wird von den Bauverwaltungen des Bundes und der Länder unterstützt. Auf die diesbezügliche Erlasslage des BMVg wird hingewiesen (vgl. Anh. A-13.1.1). Es ergibt sich folgende Verfahrensvorgabe:
1.
Das Potenzial eines naturnahen Umgangs mit Regenwasser auf den Liegenschaften wird durch eine Ersteinschätzung (s. S. 335) bewertet.
2.
Bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen sind die Möglichkeiten der naturnahen Regenwasserbewirtschaftung durch eine Konzeptentwicklung (s. S. 337) zu konkretisieren.
3.
Das entwickelte Konzept ist einer Verträglichkeitsuntersuchung (s. S. 338) zu unterziehen.
Grundwasserschutz
Bei der Planung, beim Bau und beim Betrieb von Versickerungsanlagen ist dem Grundwasserschutz die höchste Priorität einzuräumen. Deshalb ist besonders zu berücksichtigen:
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Vorbehandlung der Niederschlagsabflüsse vor der Versickerung
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Einschränkung der Versickerung von verschmutzten Abflüssen
Die Verschmutzung der Abflussflächen bzw. des abfließenden Niederschlagswassers bestimmt, welches Versickerungsverfahren in Frage kommt. In verschiedenen Arbeitsblättern und Regelwerken findet man meist drei Verschmutzungskategorien, die sich daran orientieren, von welcher Fläche das Wasser stammt. In der Tab. A-5 - 1 sind für die drei Belastungskategorien die möglichen Verfahren aufgeführt. Priorität sollten oberirdische, möglichst naturnahe landschaftsgerechte Anlagen erhalten. Planung und Ausführung solcher Anlagen erfordern ein besonderes Maß an Sorgfalt, Sachverstand und frühzeitiger interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Bei der Auswahl eines möglichen Versickerungsverfahrens ist es unzulässig, Abflüsse von stark unterschiedlich verschmutzten Flächen zusammenzuführen, um durch eine Verdünnung oder Vermischung der Niederschlagsabflüsse die Behandlungsbedürftigkeit bzw. die Anforderungen an das Versickerungsverfahren herabzusetzen.
Bei kf – Werten > 5 · 10-3 m/s ist eine Versickerung i.d.R. nicht zulässig, weil die Reinigungswirkung des Bodens nicht ausreichend ist.
Tab. A-5 - 1 Mögliche Versickerungsanlagen für die qualitativen Anforderungen
Belastungskategorie
Fläche/Gebietsdefinition
mögliches Versickerungsverfahren
gering
verschmutzt
Dachflächen in Wohn-, Unterkunfts- und vergleichbaren Werkstattbereichen
Geh- und Radwege in Wohn- und Unterkunftsbereichen
Hofflächen in Wohn- und Unterkunftsbereichen ohne Kfz-Verkehr
Flächenversickerung;
Muldenversickerung;
Beckenversickerung;
Mulden-Rigolen-Versickerung;
Rohr- und Rigolenversickerung;
Schachtversickerung
normal
verschmutzt
Hofflächen in Wohn-, Unterkunfts- und vergleichbaren Werkstattbereichen
Dachflächen von Liegenschaften in Industriegebieten
Erschließungs- und Durchgangsstraßen bis DTV 5000
Pkw-Stellplätze im Unterkunftsbereich
Flächenversickerung;
Muldenversickerung mit belebter Bodenzone > 20 cm;
Mulden-Rigolen-Versickerung mit belebter Bodenzone > 20 cm; Versickerungsbecken mit Absetzraum hydraulisch hoch belastet
Lkw- und vergleichbare Fahrzeugstellplätze
Muldenversickerung mit belebter Bodenzone > 30 cm;
Mulden-Rigolen-Versickerung mit belebter Bodenzone > 30 cm;
Versickerungsbecken mit Absetzraum hydraulisch gering belastet
stark
verschmutzt
Lagerplätze im Werkstattbereich
nicht überdachte Waschplätze für Fahrzeuge
nicht überdachte Tankstellen
keine Versickerung zulässig
 
Quantitative Randbedingungen
Die Versickerung von Niederschlagswasser setzt zum einen eine ausreichende Durchlässigkeit des Untergrundes und zum anderen eine gewisse Freiflächenverfügbarkeit voraus. Je geringer die Durchlässigkeit des Untergrundes ist, desto mehr muss die eingeschränkte Versickerungsrate kompensiert werden, entweder durch eine größere Versickerungsfläche oder durch eine verstärkte Zwischenspeicherung des Regenabflusses. Unterschreitet die Durchlässigkeit kf -Werte von 1 ·10-6 m/s, wird die Versickerung in den Untergrund so gering, dass eine zusätzliche Ableitung erforderlich ist.
Die Zusammenhänge zwischen Flächenverfügbarkeit und Durchlässigkeit einerseits sowie den in Frage kommenden Versickerungsanlagen andererseits sind in Abb. A-5 - 1 dargestellt. Aus qualitativen Gründen ist eine Schachtversickerung nach Möglichkeit zu vermeiden.
Abb. A-5 - 1 Quantitative Randbedingungen für Versickerungsanlagen