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A-6.2.2 Renovierungsverfahren
Allgemeines
Mit Hilfe von Renovierungsverfahren wird das Widerstandsvermögen von Kanälen gegen physikalische, chemische, biologische und/oder biochemische Angriffe wieder hergestellt (Instandsetzung) oder erhöht (Modernisierung).
Renovierungsmaßnahmen sind durch eine vollständige Innenauskleidung der zu sanierenden Kanäle gekennzeichnet, die auch eine tragende Funktion übernehmen kann (Verbesserung der Standsicherheit). Ein Nachteil ist die damit verbundene Querschnittsreduzierung.
Kanäle sind dann renovierbar, wenn in Abhängigkeit der vorhandenen Bausubstanz die Anforderungen an die Bautechnik und Statik erfüllt sind. Je nach Schadensbild müssen vorab Maßnahmen zur Stabilisierung (Vorsanierung) und temporären Abdichtung bei Infiltration von Grundwasser sowie zur Anbindung von Rohranschlüssen durchgeführt werden. Mit größer werdendem Schadensausmaß wird der Einsatz von Renovierungstechniken zunehmend unwirtschaftlich. Bei stark beschädigten Rohrabschnitten bietet sich dann die Umsetzung von Erneuerungsmaßnahmen an.
Es wird zwischen Renovierungsmaßnahmen mit und ohne Ringraum unterschieden.
Verbleibender Ringraum ist zu verdämmen, um das gegenüber dem vorhandenen Rohrprofil kleinere Linerprofil an der Rohrsohle zu fixieren. Die Verdämmung kann im Bedarfsfall auch statisch wirksam ausgeführt werden.
Im Zusammenhang mit Rohranschlüssen ist festzustellen, ob diese in offener Baugrube angebunden werden müssen. Der Ringraum sollte in diesem Fall vor der Anbindung verdämmt werden. Ist die Anbindung von innen durchzuführen, muss der Ringraum im Anschluss an die Anbindung verfüllt werden.
Einzelne Renovierungsverfahren können neben der Standardart mit Ringraum auch ohne Ringraum eingesetzt werden.
Für den Einsatz von Renovierungsverfahren sind die Anforderungen gemäß [ATV-M 127-2] zu beachten (u. a. Festlegung der relevanten Lastfälle und Altrohrzustände).
Rohrstrang-Lining
Das Rohrstrang-Lining eignet sich insbesondere als Renovierungsmaßnahme bei hoher chemischer, biologischer und mechanischer Beanspruchung sowie bei Abwasser mit wassergefährdenden Stoffen. Der Einsatz ist unabhängig von Rohrwerkstoff und Querschnittsform möglich.
Beim Rohrstrang-Lining erfolgt der Einzug des Rohrstrangs i. d. R. über eine Baugrube. Der zu verdämmende Ringraum führt zu einer erheblichen Querschnittsreduzierung.
Bei Grundwasserinfiltration ist eine Vorabdichtung erforderlich.
Anschlussleitungen müssen vorab verschlossen oder in offener Bauweise abgetrennt werden. Die Wiederanbindung ist in offener als auch in geschlossener Bauweise aufwändig.
Close-Fit-Lining
Das Close-Fit-Lining eignet sich ähnlich wie beim Rohrstrang-Lining gegen aggressives Abwasser. Im Gegensatz zum Rohrstrang-Lining ist das Close-Fit-Lining nur in Kreisprofilen einsetzbar. Für den Einzug bis DN 450 ist allerdings keine Baugrube erforderlich. Der eingezogene Liner wird mittels Temperatur und Druck gegen die Rohrwand in ihren ursprünglich kreisrunden Zustand aufgeweitet. Es verbleibt kein Ringraum.
Vor Ort härtendes Schlauchlining
Das vor Ort härtende Schlauchlining ist das am weitesten verbreitete Verfahren, da es flexibel für alle Profilarten und Rohrwerkstoffe einsetzbar und vergleichsweise kostengünstig ist. Der werkseitig vorkonfektionierte Liner wird eingezogen oder eingestülpt, gegen die Rohrwand aufgeweitet und mittels Temperatur oder UV-Strahlung ausgehärtet. Das Verfahren ermöglicht i. d. R. eine Wiederherstellung der statischen Tragfähigkeit und verursacht dabei nur eine geringe Querschnittsreduzierung. Zulaufanbindungen sind generell von innen möglich.
Einzelrohr-Lining
Das Einzelrohr-Lining wird insbesondere zur Sanierung von Kanälen mit gravierenden Standsicherheitsproblemen eingesetzt. Werkseitig hergestellte Rohre werden i. d. R. über Schächte (Kurzohre) oder Baugruben (Langrohre) in den zu sanierenden Streckenabschnitt eingeschoben oder eingezogen. Die Einzelrohre verfügen über Steckverbindungen. Insbesondere bei Verwendung von Kurzrohren ist die Anzahl an Rohrverbindungen sehr groß. Zudem gestaltet sich die Zulaufanbindung sehr aufwändig, da diese nicht im Bereich der Steckverbindung erfolgen kann. Die Anbindung ist i. d. R. in offener Bauweise durchzuführen. Je nach Material und Nennweite ist die Einbindung auch in geschlossener Bauweise möglich.
Das Verfahren kann mit und ohne verbleibenden Ringraum eingesetzt werden. Beim Verfahren ohne Ringraum können vorhandene Deformationen lokal aufgeweitet werden. Die Variante mit verbleibendem Ringraum ist mit einer erheblichen Querschnittsreduzierung verbunden. Bei starkem Grundwasserandrang ist zudem eine Vorabdichtung erforderlich.
Wickelrohr-Lining
Das Wickelrohr-Lining ist flexibel für alle Profilarten und Rohrwerkstoffe sowie für Schächte und in Bogenbereichen einsetzbar. Insbesondere für den Bereich größerer Nennweiten gewinnt das Wickelrohrverfahren zunehmend an Bedeutung.
Während beim klassischen Wickelrohr-Lining mit Ringraum das Wickelrohr vor Ort auf den gewünschten Querschnitt konfektioniert wird, erfolgt bei der Variante ohne Ringraum nach der Einbringung eine Aufweitung des Wickelrohrs gegen die Rohrwand.
In Abhängigkeit des Systems kann der Einbau bei gleichzeitigem Abwasserabfluss (bis etwa 25 % des Rohrquerschnitts) durchgeführt werden.
Zur Aufnahme der Gerätetechnik (Wickelmaschine) ist i. d. R. ein temporärer Schachtumbau erforderlich. Die Variante mit verbleibendem Ringraum ist mit einer erheblichen Querschnittsreduzierung verbunden. Bei Grundwasserandrang ist zudem eine Vorabdichtung erforderlich.
Die Einbindung der Seitenzuläufe ist bei beiden Verfahren aufwändig, sie werden in der Regel in offener Bauweise hergestellt. Je nach Material und Nennweite ist die Einbindung auch in geschlossener Bauweise möglich.